Aus dem Protokoll:
Breitung, Hannelore: Wissenschaftliche Diskussion über Hochschulfilme
Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR hatten am Dienstag 3 Filme ihrer Produktion vorgestellt: "Über eine Art zu leben" (Simon Harik, 1970), "Unter Freunden gesagt" (Klaus Flemmin / richtig: Flemming - Anm. d. Bearb.) und "Dresden 70" (Bernd Felgentreff, 1970).
Selbstverständlich erwarteten und erhofften sie in der anschließenden Diskussion wichtige nützliche Hinweise zu ihrer bisherigen Leistung als Anregung für ihre weitere Tätigkeit. Doch mit so einer lebhaften Diskussion hatten weder sie noch die Hochschulleitung gerechnet. Der Gesprächsraum erwies sich als zu klein, die Weinstube in "Auerbachs Keller" faßte kaum alle, die kamen, um Meinungen, die kamen, um Meinungen zu sagen und zu hören.
Die Hochschule, so drückten es ihr Rektor, Prof. Lutz Köhlert, sowie Prof. Konrad Schwalbe aus, weiß um die Schwierigkeiten und um die Mängel bei der künstlerisch-publizistischen Gestaltung der Probleme unserer Gegenwart. Nur im gemeinsamen Gespräch lassen sich solche Überlegungen entwickeln, die zu besseren künstlerischen Leistungen führen können. Von diesem Gedanken war die Diskussion geprägt; dies um so mehr, als unterschiedliche, auch entgegengesetzte Meinungen der Teilnehmer zu den gezeigten Hochschulfilmen geäußert wurden, die eine Fülle von Anregungen boten.
Zu Beginn der Diskussion beglückwünschte Dr. Baumert, Arbeitsgruppenleiter im DEFA-Studio für Kurzfilme, die Hochschule dazu, daß ihren Studenten die künstlerisch-publizistische Gestaltung von Reportagen gelingt und daß sie sich an die großen Themen unserer Zeit heranwagten. Mit ihren Filmen informieren sie den Zuschauer und bringen ihm auch auf unterhaltsame Art die Gedanken und Probleme unserer Gegenwart nahe. Mit ihren Filmen informieren sie gleichermaßen über Denkweise und Charaktere junger Menschen in der sozialistischen Gegenwart.
Dazu äußerte die Berliner Journalistin Rosemarie Rehmann (richtig: Rosemarie Rehahn - Anm. d. Bearb.) folgende Überlegung: Der Film "Unter Freunden gesagt" richtet Fragen an junge Menschen aus Jena und Leningrad. Interessant und nachdenklich stimmend sei dabei, wie unterschiedlich die DDR- und die sowjetischen Interviewpartner sich äußerten. Die Antworten der Leningrader waren originell, dagegen antworteten die Jenaer Jugendlichen oft in "eingelernter" Weise.
Für Frau Prof. Dr. Bleyer-Brody, Wien, waren die Antworten der jungen Menschen aus Jena und Leningrad sehr interessant; sicher wäre es aufschlußreich, meinte sie, einmal die Antworten von DDR-Jugendlichen und jungen Menschen aus Österreich zu den gleichen Fragen, wie sie der Film gestellt hat, zu hören und zu vergleichen.
Der polnische Regisseur Ludwik Perski gab offenbar - wie die lebhafte Zustimmung zeigte - der Ansicht vieler Teilnehmer Ausdruck, als er den Rat gab, an einem Film wie "Unter Freunden gesagt" unbedingt stärker mit der Schere zu arbeiten.Einen kritischen Ton schlug Prof. Bossak, Warschau, an. Seiner Meinung nach seien die gezeigten Dokumentarfilme zu oberflächlich gestaltet; ihnen fehle es an inhaltlicher Tiefe. Der Film "Unter Freunden gesagt" hätte ihm nichts Neues über die Menschen - die Interviewpartner - vermittelt. Manches in den Filmen sei ihm zu "protokollarisch". Sie zeigten nur einzelne Seiten ihrer Helden, stellten sie aber nicht als Persönlichkeiten dar.
Von dem Film "Über eine Art zu leben" hätte er erwartet, etwas über das Verhältnis des Arbeiters zur Kunst zu erfahren. Darauf bliebe ihm aber der Film die Antwort schuldig.
Sehr kritisch äußerte sich Jürgen Böttcher, Regisseur des Festivalbeitrages "Song international". Die Studenten sollten, so meinte er, sich nicht an so große Themen wagen, wie sie die Filme zeigten. Bei diesen Versuchen würde deutlich, daß die filmkünstlerische Umsetzung in keiner Weise gelungen sei.
Das Resultat zeuge von allzu großer Oberflächlichkeit. Bescheidene Aufgaben seien den Studenten zunächst angemessen; an ihnen könnten sie lernen, die Dinge und Erscheinungen tiefer zu erfassen. Auch müsse im Film spürbar werden, daß seine Schöpfer vom Thema erregt sind. Diesen Eindruck hätte er bei den vorgeführten Filmen vermißt.
Mit dem im Wettbewerb vorgestellten Film "Der gute Ruf" hingegen hätten die Studenten bewiesen, zu welchen Leistungen sie fähig sind.
Eine Mahnung richtete Ludwik Perski an die jungen Filmschaffenden: Sie sollten nicht annehmen, daß Sendungen für den Bildschirm mit weniger Anstrengung und künstlerischem Vermögen gestaltet werden können als für die Kinoleinwand.
Trotz Meinungsverschiedenheit, Gedankenstreit und harter Kritik - so meinte abschließend Prof. Köhlert - habe die Diskussion gezeigt, daß es allen Teilnehmern um ein gemeinsames Ziel geht: wirkungsvollere sozialistische Filme zu gestalten.
Außerordentlich stark und lebhaft war das Interesse in- und ausländischer Festivalteilnehmer für die künstlerisch-publizistische Leistungsfähigkeit des Nachwuchses.
In Polemik und schöpferischer Kritik verband sich dieses Interesse mit dem Verantwortungsbewußtsein für die Entwicklung des sozialistischen Dokumentarfilms. Die Diskussion ergab fruchtbare Hinweise für die studentische Ausbildung, für die künftige Überprüfung eigener Positionen.
Dresden 70
Jahresabschlußfilm 16mm s/w PJ: 1970
RE/DB: Bernd Felgentreff - DR: Angelika Mieth ; Klaus Rümmler -
KA: Wolfgang Mühlberg ; Peter Mahlke - SC: Inge Zausch -
PL: Christa Schaier - AL: Sabine Oehl
Der gute Ruf
Jahresabschlußfilm 35mm s/w 29 min PJ: 1971
DB/RE: Lothar Großmann - DR: Rolf Liebmann - KA: Jochen Bode -
KA-AS: Wolfgang Hesse ; Ingo Baar - SC: Gerda von Dorszewski ;
Werner Wendt - PL: Marliese Klemmt - AL: Gudrun Arnold
Die Kollwitz und ihre Kinder
Jahresabschlußfilm 16mm s/w 10:05 min PJ: 1971
DB/RE: Christa Mühl - DB: Werner Hecht - DR: Hermann Otto-Lauterbach -
KA: Christiane Kunow - KA-AS: Norbert Prüter - PL: Holger Lochau -
AL: Anke Seber - SC: Karin Döring
Über eine Art zu leben (Sendetitel: Arbeitertheater)
Jahresabschlußfilm 16mm s/w PJ: 1970/71
RE: Simon Harik - DB: Bernd Felgentreff - DR: Hermann Otto-Lauterbach -
KA: Manfred Hildebrandt - SC/RE-AS: Heidemarie Lahl - PL: Dagmar Richter -
AL: Gerhard Rentzsch
Unter Freunden gesagt
Jahresabschlußfilm 16mm s/w 36 min PJ: 1971
DB/RE: Klaus Flemming - DB: Hermann Otto-Lauterbach -
DR: Wolfgang Kellner - KA: Eckart Schuricht ; Ulrich Lewald -
KA-AS: Horst Schneiderheinze ; Hans Smotzok - SC: Inge Zausch ;
Bärbel Kaiser - PL: Roland Gärtner - AL: Slawa Astasjew ;
Eckart Schlafmann - TO: Joachim von Zweidorff
Ehrende Anerkennung für den Gesamtbeitrag der Hochschule
Der Klub - ein Problemspiegel
Jahresabschlußfilm 16mm s/w PJ: 1972
RE/DB: Barbara Beissert - DR: Angelika Mieth - KA: Wolfgang Voigt -
KA-AS: Andreas Köfer - SC: Gerda von Dorszewski - PL: Jutta Paarmann
Reflexionen
Übung 35mm s/w 13 min PJ: 1972
DB/RE: Hans Werner - KA: Eckhart Rochner ; Ulrich Maul -
SC: Karin Ruszkowski - PL: Gerhard Rentzsch
Struga - Bilder einer Landschaft
Jahresabschlußfilm 35mm s/w 24 min PJ: 1972
RE/DB/DR: Konrad Herrmann - RE-AS: Karl-Heinz Bahls -
DB: Kito Lorenz ; Anton Bruk ; Alfred Krautz - DR/KA: Franz Ritschel -
KA-AS: Lutz Körner - SC: Inge Seidel - PL: Anke Seeber - TO: Hannes Brennwald
Weil es mir Spaß macht
Jahresabschlußfilm 16mm s/w 26 min PJ: 1971
DB/RE: Sabine Schwill - DB: Waldemar Spender - KA: Frank Mechelk -
PL: Ralph-Dieter Limbach - AL: Peter Kocks - DR: Angelika Mieth -
SC: Gudrun Seelig -
Wenn Sonntags das Salz ausgeht
Jahresabschlußfilm 16mm s/w 20 min PJ: 1971
RE: Evelyn Rauer - DR: Angelika Mieth - KA: Eberhard Geick -
KA-AS: Uwe Bress - SC: Monika Schmidutz - PL: Gerhard Mundl -
TO: Vassil Filipov
Wer die Erde liebt
Jahresabschlußfilm 16mm s/w 28:45 min PJ: 1972
DB/RE: Rainer Lindow - RE: Hermann Otto-Lauterbach -
DB: Katharina Zeiske - KA: Manfred Lehnhardt - KA-AS: Iris Seemann ;
Wolfgang Hornbogen - SC: Monika Schmidutz - PL: Marlies Deponte
Zwiebelmarkt
Jahresabschlußfilm 16mm s/w PJ: 1972
RE: Karl-Heinz Bahls - DR: Roland Neumann - KA: Wolfgang Voigt -
KA-AS: Gerd Witzel - SC: Doris Griesel - PL: Marlies Deponte
Ehrende Anerkennung für den Gesamtbeitrag der Hochschule
Aus dem Protokoll:
Linke, Marlis: Zwei Kapitel über Kooperation
Doppelte Premiere war die Uraufführung des Films "Zwei Kapitel" im Informationszentrum am Sachsenplatz, den die Hochschule für Film und Fernsehen der DDR und die Hochschule für Film, Theater und Fernsehen Lódz zeigten, und der u.a. das Mitglied des Zentralkomitees der SED und Mitglied des Staatsrates, Prof. Hans Rodenberg, Die Präsidentin des Komitees Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwochen für Kino und Fernsehen, Annelie Thorndike, die Rektoren Peter Ulbrich und Stanislaw Kuszewski sowie Dozenten der Hochschulen beiwohnten. Die Aufführung stellte zugleich die erste gemeinsame Produktion der beiden Ausbildungsstätten vor, die bereits über einen längeren Zeitraum freundschaftliche und fördernde Kontakte pflegen.
Thema des Beitrags (Regie Günter Hoffmann und Kamal Karim) ist die sozialistische ökonomische Integration beim Bau von Industriebetrieben durch Spezialisten und Arbeiter aus der DDR bzw. der Volksrepublik Polen. Die polnischen Studenten wählten das Projekt eines Glaswerkes in Ilmenau, ihre Babelsberger Kommilitonen den Bau der größten Baumwollspinnerei in Zawiercie. Schwierigkeit und Reiz der Aufgabe war es, eine so globale Problematik über einen bestimmenden Wirklichkeitsausschnitt zu erzählen. Beiden Kapiteln des Films, an denen jeweils polnische und deutsche Studenten zusammenarbeiteten, war es gemeinsam, daß diese Absicht über eine aufmerksame und engagierte Menschenbeobachtung gelang. Bemerkenswert vor allem war die Differenziertheit, mit der nicht verhehlt wird, welche Konflikte und auch tragische Momente für den einzelnen aus der Industrialisierung erwachsen, und wie dennoch das individuelle Schicksal einmündet in die Darstellung des gesamtgesellschaftlichen Prozesses. Gezeigt werden die menschlichen Konsequenzen, die sich daraus ergeben: der Verlust heimatlicher Scholle, die Trennung von der Familie, Begegnungen und neuartige Beziehungen in der Arbeits- und privaten Sphäre zwischen den Menschen beider Länder. Nur fragmentarisch angerissen wird die wirtschaftliche und politische Seite der sozialistischen Integration. Daß sich so mitunter die Proportionen von Informationsgehalt und politischer Wertigkeit zugunsten der Freude am Beobachten und Entdecken von Haltungen und Lebensäußerungen verschieben, wird entschuldbar durch das sichtbare Verantwortungsgefühl und auch die handwerkliche Sicherheit, mit der die künftigen Dokumentaristen dem menschlichen Aspekt eines ökonomischen und sozialen Problems gerecht werden.
Wie der Titel sagt, beinhaltet der Film zwei Kapitel einer Geschichte, dokumentiert Nutzen und Sinn solcher Kooperation auch in der Widerspiegelung von Kooperation und fand in der anschließenden Diskussion im Polnischen Informationszentrum sowohl hinsichtlich des Anliegens als auch der künstlerischen Bewältigung vorwiegend Zustimmung.
Drei weitere Beiträge informieren über die Arbeit der beiden Filmhochschulen: ein Streifen, der spontan auf Initiative der Babelsberger Studenten drei Tage nach dem Militärputsch in Chile entstand und in erschütternden Fotofolgen die aufkeimende Hoffnung im Leben der Menschen Chiles und deren grausame Zerschlagung darstellt.
... "Rosinante - eine tragende Rolle" hieß der Film von Jörg Wilbrandt, eine pointierte und witzige Reportage (mit wenigen Längen!) über die Tätigkeit der beiden Darsteller, die bei der Aufführung in der Komischen Oper dem Pferd des Don Quichote Gestalt geben.
No Pasaran (AT: Chile)
16mm s/w 3:37 min PJ: 1973
RE: Rotraut Simons - KA: Luc Kamwa - SC: Kathrin Weiler
Rosinante - eine tragende Rolle
16mm s/w 22 min PJ: 1973
DB/RE: Jörg Wilbrandt - DB/KA: Wolfram Beyer -
DR: Hermann Otto-Lauterbach - TO: Jürgen Nitschke - Wolfram Beyer - KA-AS: Gunther Becher -
SC: Gerda von Dorszewski ; Helga Peters
Zwei Kapitel
35mm s/w 49:27 min PJ: 1972
RE/DB: Günter Hoffmann ; Janosz Dymek - DR: Klaus Rümmler -
KA: Eberhard Geick - KA-AS: Herwig Gerlach ; Hartmut Schulz -
PL: Rainer Gericke ; Günter Schönfeld
(Koproduktion mit der Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Lodz/Polen)
Ehrende Anerkennung für den Gesamtbeitrag der Hochschule
... auf daß Du mit mir singst (AT: Neruda)
35mm s/w 25 min PJ: 1974
RE/DB: Lothar Hans - DR: Hermann Otto-Lauterbach - KA: Michael Göthe -
KA-AS: Ulrich Kirsten - SC: Karola Mittelstädt - PL: Holger Lochau
Junge Birken (AT: Lauchhammer)
16mm s/w 26:30 min PJ: 1974
RE/DB: Jörg Andrees - DB/KA: Frank Hofmann - DR: Angelika Mieth -
KA-AS: Sabine Lämmerhirt - SC: Monika Gramenz - PL: Siegfried Amme
Probezeiten (AT: Musik hilft leben)
35mm s/w PJ: 1974
RE/DB: Roland Steiner - DR: Egbert Lipowski - KA: Hartmut Schulz -
KA-AS: Hartmut Barkholz - SC: Gudrun Seelig - PL: Eberhard Voigt
Werner Tübke - Studie zu einem Porträt
Diplomfilm 35mm s/w ; c PJ: 1973
RE/DB: Karola Wiemann - DB/KA: Hans Hattop - DR: Klaus Rümmler -
KA: Hans-Jürgen Hoeftmann - SC: Gerda von Dorszewski ;
Monika Schmidutz - PL: Heinrich Gebauer
Ehrende Anerkennung für den Gesamtbeitrag der Hochschule
An-Sichten vom Zugfahren
Diplomfilm 16mm s/w 17 min PJ: 1974
RE/DB: Michael Unger - DR: Egbert Lipowski - KA: Axel Funk -
KA-AS: Luc Kamwa ; Gunnar Kühnemann - SC: Monika Grammatté -
PL: Regina Ruhland
Ein Brief für Natalja Iwanowna
Diplomfilm 16mm s/w PJ: 1975
DB/RE: Mathias Dautz - DR: Günter Otto - KA: Luc Kamwa -
KA-AS: Gerhard Bode - PL: Peter Pischner - SC: Inge Riecke
Einsamkeit
Übung 35mm c 3:43 min PJ: 1974
RE.:Karl-Heinz Lotz - KA: Eckhard Hootz - SC: Gabriele Glaser
Der Hamsterfänger von Hamersleben
Diplomfilm 16mm s/w 32 min PJ: 1975
DB/RE: Hartmut Sommerschuh - DR: Angelika Mieth - KA: Rainer Schulz -
KA-AS: Eberhard Geick - PL: Sabine Brügmann - SC: Gabriele Hoff
Wer ein Paar Holzlatschen abgelaufen hat ... (AT: Steinbrucharbeiter)
35mm s/w 32 min PJ: 1976
DB/RE: Gabriele Herrmann - DR: Egbert Lipowski - KA: Eberhard Geick -
KA-AS: Thomas Plenert ; Gabriele Delp - PL: Klaus Schmutzer -
SC: Monika Grammatté ; Juliane Gemmecke
Ehrende Anerkennung für den Gesamtbeitrag der Hochschule
... Auch Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR hatten Gelegenheit, Teilnehmern und Gästen der Kurzfilmwoche vier ihrer Produktionen vorzustellen.
(In: ... : Treffpunkt der Dokumentaristen aus aller Welt. Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden v. 30.11.1975)
Blumenland (AT: Blumenmacher)
35mm 25 min PJ: 1975
DB/RE: Jörg Foth - DR: Angelika Mieth - KA: Thomas Plenert -
KA-AS: Julia Kunert ; Lars-Peter Barthel - SC: Renate Oelschlägel -
PL: Sibylle Schmidt
Die Brautwerbung
35mm 34 min s/w PJ: 1976
DB/RE: Warja Schijakowa - DB: Alexander Anderson ; Georg Krippendorf -
KA: Jürgen Partzsch - PL: Hans-Uwe Wardeck ; Sonja Schmutzer -
SC: Gabriele Glaser - TO: Dieter Hinze - SB: Udo Genschmer
Mareczku, lieber Junge (AT: Mucha, die Fliege)
Hauptprüfungsfilm 16mm s/w 31:25min PJ: 1975
DB/RE: Bodo Fürneisen - DR: Angelika Mieth - KA: Helmut Fischer -
KA-AS: Jörg Hornbostel - PL: Manfred Gantz - SC: Gabriele Glaser
Wer den Sommer über bleibt ... (AT: Henningsdorf)
35mm s/w 31:43 min PJ: 1976
DB: Hans Hattop - RE: Gabriele Bent - DR: Egbert Lipowski -
KA: Andreas Köfer - KA- AS: Eckhard Hootz ; Rolf Laskowski -
PL: Katharina Georgi - SC: Gabriele Glaser
Ehrende Anerkenung für den Gesamtbeitrag der Hochschule
..."Wenn es die junge Generation der Filmschaffenden unserer Republik so gut versteht, Denken und Tun von uns Arbeitern ins Bild zu setzen, dann ist die Zukunft des Dokumentarfilms in guten Händen." Diesem Urteil des Drehers Dieter Müller aus dem GISAG-Kombinat Leipzig nach der Sonderveranstaltung mit Beiträgen der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR kann man sich anschließen.
...Der Sonderveranstaltung mit vier von Diplomanden unserer Filmhochschule geschaffenen Streifen folgte eine Diskussion im Festivalklub, bei der Studenten von ausländischen Teilnehmern auch daran erinnert werden, wie gut es ist, mit dem Leipziger Festival eine Schule für ihren Beruf gewissermaßen vor der Haustür zu haben. Soweit gespannt wie die Thematik der an der Hochschule entstandenen Filme, so unterschiedlich die Handschriften, die sich hier ankündigen. Reportagen vom Leben junger polnischer Arbeiter in der DDR und von Geschichte und Gegenwart der Sebnitzer Kunstblumen, Gedanken von Hennigsdorfer Stahlwerkern und eine filmische Umsetzung von Schukschins Erzählung "Die Brautwerbung" gehörten zu diesem Programm, das zwar außerhalb der Wettbewerbsvorstellungen, aber durchaus nicht nur am Rande des Festivals lief.
(In: Richter, Horst: Diplomarbeiten im Publikumsexamen. Neues Deutschland, Berlin-Ausg. v. 24.11.1976)
Drei Dokumentarstreifen und einen Kurzspielfilm präsentieren Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR in Potsdam-Babelsberg gestern in einer Sonderveranstaltung der Leipziger Dokumentarfilmwoche. An dieser Tribüne des progressiven Filmschaffens aus aller Welt nehmen rund 100 Studenten der Hochschule zu Studienzwecken teil. Das Vorstellen eigener Arbeiten soll ihnen Maßstäbe ihrer künftigen Arbeit vermitteln. Die vier 1976 gedrehten Filme erhielten herzlichen Beifall. "Wer den Sommer über bleibt ..." (Regie: Gabriele Bent) porträtiert differenziert und sehr einfühlsam fünf Arbeiter aus dem Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf. Problemen polnischer Werktätiger in der DDR wandte sich "Mareczku,lieber Junge" (Regie: Bodo Fürneisen) zu. Den Veränderungen in Sebnitz spürte "Blumenland" (Regie: Jörg Foth) nach. Dem Kurzspielfilm "Die Brautwerbung" liegt die gleichnamige Erzählung des sowjetischen Schriftstellers Wassili Schukschin zugrunde. In den Hauptrollen dieses 35-Minuten-Films spielen Erika Pelikowski, Helga Göring und Fred Delmare. Regie führte Warja Schijakowa unter Anleitung von Regisseurin Iris Gusner.
(In: ...: Filmstudenten stellen vor : vier Arbeiten vor internationalem Publikum aufgeführt. Brandenburgische Neueste Nachrichten, Potsdam v. 24.11.1976)
...Aus der Sonderschau der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR ragte ein Streifen heraus, "Wer den Sommer über bleibt" (Buch: Hans und Carola Hattop, Regie: Gabriele Bent). Sehr neugierige Fragen stellte dieser Film den Stahl- und Walzwerkern aus Hennigsdorf und die Neugier wird schön gestillt durch sehr selbstbewußte, sehr selbstverständliche Antworten, mit denen sich dem Zuschauer sozialistische Arbeiterpersönlichkeiten entdecken.
(In: ...: "Gewöhnliche" Heldentaten : XIX. Leipziger Dokumentarfilm-Festival: Tag der sozialistischen Länder. Berliner Zeitung v. 25.11.1976
... Eine Sondervorführung dort (der Babelsberger Filmhochschule - Anm. d. Bearb.) entstandener Arbeiten von Studenten ließ weitere Nachwuchsbegabungen erkennen, wobei die Suche nach neuen formalen Wegen besonders in dem offensichtlich an jugoslawischen Vorbildern orientierten Film "Blumenland" von Jörg Foth zum Ausdruck kam, der die Kunstblumenindustrie im sächsischen Sebnitz vorstellte. ...
(In: Kersten, Heinz: Geschichte und Geschichten : die internatioanle Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche. Der Tagesspiegel, Berlin (West) v. 1.12.1976)
Dingslebener Bilderbogen (AT: Dorfgeschichten)
Diplomfilm 16mm c 30:05 min PJ: 1977
DB/RE: Hansjürgen Ender - KA: Wolf-Dieter Volkmann -
KA-AS: Gerd Senkel - PL: Armin Köhler - DR: Angelika Mieth -
SC: Gudrun Prietz
Die Entdeckung
Diplomfilm 35mm s/w 43:03 min PJ: 1977
DB/RE: Bodo Fürneisen - DB: Manfred Freitag ; Peter Nestler -
KA: Helmut Fischer - KA-AS: Alfred Kirchner - Rolf Laskowski -
PL: Manfred Reitz - DB: Angelika Mieth - SC: Gerda von Dorszewski
Holzfäller
Diplomfilm 35mm s/w 15 min PJ: 1976
DB/RE: Jan Bereska - DR: Hermann Otto-Lauterbach - KA: Karl Hey -
KA-AS: Michael Reinhold - PL: Wolfgang Gensch ; Armin Köhler
Jacki
Diplomfilm 16mm s/w 29:56min PJ: 1977
DB/RE: Angelika Andrees - KA: Julia Kunert - KA-AS: Arnim Gießmann ;
Ulrich Heine - PL: Renate Zellmer - DR: Egbert Lipowski - SC: Gudrun Prietz
Der Prozeß (AT: Gitta und Jerzy)
35mm c PJ: 1976
DB/RE: Jörg Foth - DB/KA: Thomas Plenert - KA-AS: Rainer Schulz -
PL: Andrea Böhme ; Renate Zellmer ; Hans Jürgen Friede -
DR: Egbert Lipowski - SC: Gabriele Glaser
Zugvögel
35mm s/w 28:18 min PJ: 1971
DB/RE/KA: Lars-Peter Barthel - DB: Sascha Anderson - SC: Christel Kreinbrink
Ehrende Anerkennung für den Gesamtbeitrag der Hochschule
... Es ist fast schon eine Leipziger Tradition, daß die Filme der Babelsberger Filmhochschule zu den interessantesten und meistdiskutierten DDR-Filmen gehören. Hier konnte man ungewöhnliche, originelle Bilder aus unserem Land sehen, die uns die erfahrenen Filmemacher oft schuldig bleiben. "Jacki" von A. Andrees - ist das Porträt eines jungen Mädchens das im Berliner Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg aufwächst. Das Mädchen erzählt uns von sich, von ihrer Familie, ihrer Welt. Sehr interessant wird dieses Bild eines sympathischen, aufgeschlossenen Menschen gezeichnet. Hier ist genaue Beobachtung mit dem Vermögen, gekonnt zu erzählen, verbunden. Nicht anders der Hochschulfilm "Der Prozeß", der von dem langen Prozeß der Annäherung und Freundschaft zwischen den Menschen aus Polen und der DDR erzählt. Impressionen aus dem DDR-Alltag, Reaktionen der Umwelt auf die Verbindungen zwischen einer jungen Arbeiterin aus der DDR und einem Polen, originelle optische Einfälle, ein Gefühl für Haltungen: ein Film, von dem in keiner Minute Langeweile ausgeht. Man darf die Perspektive des Leipziger Festivals optimistisch sehen, wenn in späteren Jahren die Filme dieser Studenten das Festival bestimmen werden.
(In: Hanisch, Michael: Pulsschlag unseres Planeten : Notizen von der Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmwoche Leipzig. Neue Zeit, Berlin v. 30.11.1977)
... Aber gerade hier bot der Nachwuchs der Babelsberger Hochschule ... diskussionswürdige Ansatzpunkte. In "Jackie" z.B. erzählen die Filmschöpfer Angelika Andrees und Julia Kunert die Geschichte des 14jährigen Mädchens Jackie aus Berlin. Jackies Eltern ließen sich scheiden, die Mutter heiratete einen anderen Mann, der zwei Kinder in die Familie mitbrachte. Fremdheit und Egoismus galt es zu überwinden. Ganz anders geartet ist der "Dingslebener Bilderbogen". Hans-Jürgen Ender und Wolf-Dieter Volkmann zeichnen auf eine humorvolle Art das Porträt von Dingsleben, einem historischen Bauernhof im Süden unserer Republik ...
(In: Mohr, Harald: Anregende Plattform der progressiven Filme : einige Bemerkungen zur XX. Leipziger ... Neuer Tag, Frankfurt/O. v. 30.11.1977)
Wie eine seltene Pflanze sollte man alle Talente hüten, die sich in den letzten Jahren - und ganz besonders in diesem Jahr - mit ihren Filmen vorstellten. Absolventen der Hochschule für Film und Fernsehen haben in teilweise interessanter Form ihre Sicht auf unsere Probleme, ihre Beziehung zu unserer Landschaft dem internationalen Publikum vorgestellt. Das hat dort schon seine Tradition. Die Reaktionen der Zuschauer: ein vollbesetztes "Capitol", zwei überbesetzte Trade-Shows und die meistbesuchte Diskussion dieses Festivals. Die Meinungen gingen auseinander. Filme, über die man streiten konnte. Die mehrfach ausgesprochene Liebeserklärung von Festivalbesuchern an "Jacki", jenes Dokumentarporträt von Angelika Andrees, galt vor allem der unbestechlichen, beunruhigenden Sujetbehandlung, da hatten auch die wenigen Zweifler keine Chance! "Holzfäller" von Jan Bereska (Kamerapreisträger auf dem III. Leistungsvergleich des Dokumentar- und Kurzfilms) zeigt betont Souveränität des Menschen in der Arbeit. "Der Prozeß" von Jörg Foth, ein eigenwilliger Versuch über Liebe und Leben und Natur überhaupt mit spielfilmähnlichen Mitteln, verlangt Konzentration auf die Story, die fast ausschließlich mit phantastischen impressiven Bildern erzählt wird. Für mich der interessanteste Film. Erfreulich daß die Hochschule ... Experimentierraum für die unterschiedlichsten Talente bietet.
(In: R.L.: Studentenfilm. Sonntag, Berlin v. 11.12.1977)