anläßlich des "Fontane-Jahres 1998"

zusammengestellt von

Lydia Wiehring von Wendrin


und


Kirsten Lehmann

Hochschulbibliothek der HFF





BIOGRAFISCHES

Henri Théodore (Theodor) Fontane wurde am 30. Dezember 1819, als erstes Kind französischstämmiger Eltern, in Neuruppin geboren.
1836 beginnt er eine Lehre zum Apotheker. Nach dieser Ausbildung ist er u.a. in Magdeburg, Leipzig , Dresden und Berlin tätig. 1837 schreibt er erstmals Gedichte die im "Berliner Figaro" veröffentlicht werden. Von da an schreibt er regelmäßig für Zeitungen und Unterhaltungsblätter, wie z.B. "Die Eisenbahn" (Leipzig) ; "Die Berliner Zeitungs-Halle" oder "Dresdner Zeitung". Seit 1844, dem Beginn seines 1. Militärjahres, lebt Fontane (mit Unterbrechungen) in Berlin. Ab jetzt unternimmt er regelmäßige Reisen z.B. nach England, Schottland und Frankreich (wo er auch als Kriegsberichterstatter tätig ist und zudem verhaftet und inhaftiert wird). 1848, am 18. März, nimmt er an den Barrikadenkämpfen in Berlin teil. Am 16. Oktober 1850 heiratet er Emilie Rouanet. Neben seiner publizistischen Tätigkeit schreibt er nun zunehmend Romane und Novellen, deren Aufzählung an dieser Stelle müßig wäre, da es umfangreiche Abhandlungen zu Leben und Werk Fontanes gibt.
Am 20. September 1898 stirbt Fontane in Berlin - drei Jahre nach der ersten kinematografischen Aufführung der Brüder Skladanowsky im Berliner Wintergarten.
Ob Fontane je eine solche Vorführung besucht hat?

FILMISCHES

Die Romane des 19. Jahrhunderts scheinen durch ihre genauen Milieu- und Seelenstudien eine vortreffliche Grundlage für Verfilmungen zu sein. Neben Werken von Balzac, Tolstoi und Dostojewski bieten sich, durch ihre Bildhaftigkeit und Authenzität, die Werke Fontanes geradezu an.
Als erste Fontane-Adaption läßt sich in den einschlägigen Nachschlagewerken "Ball im Metropol" (Frank Wisbar, 1937), nach "Irrungen, Wirrungen", finden.
Der wohl meist verfilmte Roman ist "Effie Briest", geschrieben 1893 erstmals veröffentlicht 1894/95. Diverse Male war "Effie" die Hauptdarstellerin in einem Film. Ob Marianne Hoppe (bei Gustaf Gründgens/1939), Angelica Domröse (bei Wolfgang Luderer/1970) oder Hanna Schygulla (bei Rainer Werner Fassbinder/1974), immer gaben die Protagonistinnen der Figur "Effie" ein unverwechselbares Gesicht. R.W. Fassbinder sagt zum Beispiel zu seiner "Effie Briest"-Verfilmung, er wolle "... einen Film über Fontane, über die Haltung des Dichters zu seiner Gesellschaft" machen. Übrigens ist diese Verfilmung die wohl wortgetreueste. Durch zahlreiche Weißblenden, die wie das Umschlagen von Buchseiten wirken, ist die literarische Herkunft ständig präsent. Überhaupt spielen die Frauen in den Fontane-Verfilmungen immer eine große Rolle. Über die oben bereits angeführten "Effie"-Darstellerinnen hinaus, sei hier an Trude Hesterberg als "Corinna Schmidt" (1951), Jutta Hoffmann als "Stella" (1982) und Renate Krössner als "Mathilde Möhring" (1983) erinnert.
Neben diesem, wohl bedeutendsten Roman Fontanes, wurden fast alle Erzählwerke verfilmt. Selbstredend bot sich dies erst mit der Entwicklung des Tonfilms an, der Stummfilm mit seinen unterstützend eingesetzten Untertiteln, wäre der Plauderkunst Fontanes nicht gerecht geworden.
Von den insgesamt 34 recherchierten Fontane-Adaptionen entstanden allein elf in der ehemaligen DDR (9 beim DDR-Fernsehen und 2 bei der DEFA). Inszeniert wurden sie von den bekanntesten Regisseuren des Landes u.a. Thomas Langhoff.
Dies hat letztlich sicher auch mit dem "Vorhandensein" der Originalsschauplätze zu tun.

Quellen:
Fassbinders Filme 3 / hrsg. von Michael Töteberg. -
Frankfurt a.M. : Verlag der Autoren, 1990. -

Nürnberger, Helmuth:
Theodor Fontane : Märkische Region & Europäische Welt ; Ausstellungskatalog. -
Bonn : IDEAL Werbeagentur, 1993. -

Theodor Fontane / hrsg. von Heinz Ludwig Arnold. -
(Text + Kritik : Sonderband 1989)
München : Ed. Text + Kritik, 1989. -

LIEBLINGSZITATE DER BEARBEITERINNEN

Heiterkeit ist der Herold der Gesundheit

Nicht die Richtung ist es, die uns verdrießt, nur das niedrige Kunstmaß innerhalb derselben

Wir wissen jetzt ganz genau, daß man alles viel klüger hätte anfangen müssen. Aber nach 50 Jahren!

Wir sind schließlich doch das, wofür uns andere halten.

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