Die Klanggestaltung der kinematografischen 360-Grad-Installation ALIAS YEDERBECK wurde unmittelbar aus den Strukturideen des Malereiprojekts TESTE SANS FIN hergeleitet ohne dieses zu illustrieren; so etwa das Metrum gebende Sonett, vom Ursprung her eine musikalische Idee, „das Klinggedicht“, oder das 12-Eck der Leinwände, vergleichbar dem Zifferblatts der Uhr, wie auch Abbild des Quintenzirkels – der Repräsentant des musikalischen Tonmaterials abendländischer Musik überhaupt.
Derlei auf Musik verweisende Ingredienzien sind auch ins Audiokonzept eingegangen. Es wechseln sich hintergründige, atmosphärische Soundscapes mit konkreten, narrativen und dynamischen Klängen ab. Das Projekt gliedert sich in 12 Panorama-Sequenzen. Jede bezieht sich auf eines der 12 Auto(r)konstrukte des Malereiprojekts, aus dem eine spezifische audiovisuelle Idee entwickelt wurde. Passend zum Bewegtbildmaterial wurde eine Audio-Materialsammlung mit verschiedenen Layern wie z.B. Klangflächen, Musikalische Referenzen, Hörspielen, Dokumentarische Interviews, Footage-Sprach-Archivmaterial sowie eigens dafür eingespielte und komponierte Sounds bzw. Musik produziert. Das gesamte Material wird in einer aufwendigen Mehrkanal-Mischung (IOSONO Sound nach dem Wellenfeldsyntheseprinzip, „WFS“ s.u.) digital nachbearbeitet und final auf 24 Monitorwege in die Rotunde verteilt und räumlich interpretiert.
Ziel der kinematografischen Installation ALIAS YEDERBECK ist die synästhetische Verschmelzung von Bild und Ton bzw. Musik zu einem neuartigen Gesamtkunstwerk.
Das Tonwiedergabesystem nutzt die Wellenfeldsynthese als innovatives Beschallungskonzept. Schallfeld-synthetisierende Wiedergabeverfahren, zu denen die Wellenfeldsynthese (WFS) zählt, stellen eine nächste Generation von Audiowiedergabe-Verfahren für Surround-Sound dar. Das Grundkonzept basiert auf einem mathematisch-physikalischen Modell, das es ermöglicht, mit Hilfe eines Lautsprecherarrays ein realistisches Schallfeld zu generieren bzw. zu resynthetisieren. Virtuelle Schallquellen werden im Raum positioniert und zusätzlich Räumlichkeit simuliert, wobei die Wahrnehmung von Ort, Bewegung und Ausdehnung der Schallquellen weitgehend unabhängig von einer bestimmten Abhörposition (Sweet Spot) möglich ist. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „akustischer Holographie“ oder besser von „Holophonie“.
Bei der Wellenfeldsynthese ist der Rezipient auditiv umhüllt und so beim Hören gleichzeitig eingebunden in den auditiv-narrativen Raum und in den realen Wiedergaberaum. Der Übergang vom realen Raum zum auditiven kann fließend sein, weil die mögliche Qualität der Raumdarstellung mit WFS sehr hoch ist. Damit wird der Wiedergaberaum inhaltlich bedeutsam und muss bei der Soundkonzeption prinzipiell mitgedacht werden. Gleichzeitig wird durch den holophonischen Ansatz von WFS eine Interaktion mit dem auditiven Raum möglich und notwendig. Das auditive Erzählen kann mit WFS-Technologie auf diese Weise in einem 360-Grad-Raum entscheidend verdichtet werden, ohne dass der Rezipient überfordert und/oder irritiert wird. Ein grundsätzlich entfokussiertes Erzählen ist möglich, die Gestaltung der Narration erfolgt individuell durch Interaktion mit dem auditiven Raum.
Die Wellenfeldsynthese als Beschallungskonzept zur kinematografischen Installation ALIAS YEDERBECK ermöglicht ein multimodales Raumerlebnis: Die Einbeziehung des horizontal-akustischen 360-Grad-Raumes im Zusammenhang mit der Panoramaprojektion bedeutet, die hundertjährigen Konventionen der audiovisuellen Medien aufzubrechen.