VON DER LICHTBILDBÜHNE BIS ZUR KINEMATOGRAPHENZENSUR

Neues Domizil für die Filmbibliothek

Die Zentrale Filmbibliothek der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg hat ein neues Domizil im Zentrum Berlins. Die einzige Fachbibliothek für Film-, Fernseh- und Medienliteratur innerhalb der neuen Bundesländer hatte Ende März vom Immobilienbesitzer "DEFA Studio für Dokumentarfilme GmbH" die Kündigung des Mietvertrages in der Kronenstraße (Mitte) bekommen. Wieder war eine kulturelle Einrichtung existenzgefährdet. Doch die Suche nach neuer Unterkunft hatte Erfolg. Im Hause Molkenmarkt 1-3 (ehemaliges Kulturministerium, jetzt im Besitz des Bundes) fand die Sammlung eine Heimstadt. Geplant ist, verschiedenste Bibliotheks- und Archivbestände, die sonst womöglich völlig verloren gingen, zu sichern und für Forschungszwecke nutzbar zu machen. Seit kurzem ist die Filmbibliothek wieder für Interessierte erreichbar und voll arbeitsfähig. Rund 30 000 Bände umfaßt der Bestand. So wurden bis 1990 sämtliche DDR-Publikationen zur Film-, Fernseh- und Medientheorie gesammelt. Ebenfalls sind alle Drehbücher archiviert die bis dato bei der DEFA realisiert wurden - eine Palette, die vom Märchen- bis zum Thälmann-Film reicht. Seltenheitswert hat ein Buch von 1893 über den "Schutz des Urheberrechts an Photographien" oder eine Dissertation zum Thema "Die Kinematographenzensur in Preußen" von 1912. Auch Jahrgänge der Zeitschriften "Film-Hölle" (1920-1923), "Lichtbildbühne" (1914-1940), Drehbücher zum trickreichen deutschen Katastrophenfilm "Titanic" (1943) oder zum charmanten Kostümstreifen "Der Kongreß tanzt", den Eric Charell 1931 inszenierte, sind begehrte Objekte für Filmfans, Hochschule und Autoren. Der Nutzerkreis übrigens hat sich seit der Maueröffnung spürbar erweitert - Leser aus dem Westteil der Stadt und aus den alten Bundesländern suchen und finden in der Filmbibliothek Materialien und Unterlagen insbesondere zur Geschichte des DDR-Films...

Katrin Steiner

aus: Berliner Zeitung vom 17.5.1991

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