Bruno
Übung 16mm s/w PJ: 1979
DB/RE: Jürgen Herrmann - KA: Donald Halimana ; Gert Liepe ;
Wolfgang Fritsche - PR: Reiner Flemming
Ein Leben
Übung 16mm s/w ; c 31 min PJ: 1980
DB/RE: Helke Hoffmann - KA: Roland Eising - PR: Christian Sturm
Ehrende Anerkennung der FIPRESCI-Jury, Ehrendiplom
Die erste Generation
Diplomfilm 16mm c PJ: 1980
DB/SZ/DR: Fritz-Martin Barber - RE: Viktor Demitter -
KA: Andreas Bergmann - AL: Thomas Wilkening - TO: Karl-Heinz Knoll -
SC: Petra Heymann
Insel im See
Diplomfilm 35mm c 33 min PJ: 1980
DB: Wolfgang Voigt - RE: Wolfgang Münstermann -
DR: Hans-Joachim Wallstein - KA: Ali A. Bayram ; Dagmar Mundt - AL: Dietmar Hildebrandt -
PR: Hans-Georg Hentschel - SB: Günter Eisermann -
SC: Gerda von Dorszewski
Onkel Kari
Diplomfilm 16mm s/w 30:25 min PJ: 1980
DB: Eva Káldy - RE/KA: Gábor Dénes - DR: Hans-Joachim Wallstein -
KA: Thomas Zahn ; Michael Albrecht - AL: Dieter Andres -
SC: Renate Schäfer - TO: Volker Werner
... Der dritte Beitrag ist die Arbeit einer Studentin des 2. Studienjahres der Hochschule für Film und Fernsehen: Helke Hoffmann fand auf einem alten Dachboden Briefe und Fotos einer Frau und rekonstruierte daraus mit erstaunlicher Stilsicherheit "Ein Leben". So erwächst aus totem Material vor den Augen des Zuschauers das Leben eines Menschen, eines Kleinbürgers, wie es ihn zur Zeit des Faschismus in tausendfacher Weise gab. Zum einen ein Beleg dafür, wie unpolitisches Denken zur Machtergreifung der Barbaren beitrug, zum anderen aber auch berührende Demonstration für die Tatsache, wie viele Menschen vom Faschismus um ihre Lebensmöglichkeiten betrogen wurden...
(In: Goldberg, Henryk: Kosmonaut und Arbeiter mit der Kamera gesehen : die Festivalbeiträge aus der DDR im Überblick. Neues Deutschland, Berlin-Ausg. v. 22. 11. 1980)
Es gibt nicht viele Gelegenheiten, Arbeiten von Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR in Augenschein zu nehmen. Auf Festivals und auf dem Bildschirm auf alle Fälle. Schüchternes hervortreten mit kleinen Übungen vor Jahren noch, dieses Jahr nun während der Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmwoche gab es eine Vielzahl von Filmen zu sehen. Ich selbst konnte nicht alle gebotenen Hochschulfilme sehen, dazu war das Gesamtprogramm des Festivals zu umfangreich.
Auch ihre filmischen Handschriften interessierten
Nicht die Quantität der Potsdamer Ausbildungsstätte ist erstaunlich, Handschriften, neue Sichten auf unsere Welt, größere Talententfaltung konnten wir da konstatieren. Ich will mich hüten, von großen Vollendungen, perfekten Macharten zu sprechen. Dennoch Helke Hoffmanns Film "Ein Leben" lief immerhin im Wettbewerb (Ein Novum in Leipzig) und er wurde mit einem Ehrendiplom ausgezeichnet. Helke Hoffmann, Meisterschülerin, konnte mit einem seltenen Fund arbeiten. Bei einer Entrümpelungsaktion fielen ihr zahlreiche Fotos und Briefe einer verstorbenen Bäckersfrau in die Hände, und mit diesen Materialien mit Aussagen von Leuten, die jene Martha Barthel kannten, rekonstruierte Helke Hoffmann ein imposantes Bild dieser Bäckersfrau. Keine "filmwürdige Heldin" war sie, weder Antifaschistin noch Hitlergängerin. Uns Zuschauern hatte [ihre/nähere] filmische Auslotung politischer Ereignisse während ihres Lebens größeren Gewinn gebracht. Wir konnten auf den Diplomfilm von Viktor Demitter, "Die erste Generation" gespannt sein. Er macht uns mit jungen Arbeitern und mit Leitern im Wittstocker Rationalisierungsbetrieb bekannt. Es wäre interessant zu erleben, wie in einem ehemaligen verträumten Ackerbaustädtchen junge Menschen modernste Industrie zu handhaben beginnen - und nicht problemlos. Man möchte doch wenigstens ahnen, wie in dem "Großhandwerksbetrieb" von heute Industrie von morgen begründet wird. Das alles ist im Film allerdings nur sehr schwach ins Treffen geführt worden. Im kleinen wie im ganzen fehlt diesem Film der Atem. In der Sonderveranstaltung der Hochschule lief neben diesem Film Juergen Herrmanns Übung aus dem zweiten Studienjahr unter dem Titel "Bruno" (Kamera: Don Halimana). Der Held ist ein liebenswerter, lebenslustiger Parteiveteran, der über bewegte Zeiten, über heitere und tragische Momente erzählt und der mit seinen 72 Jahren noch aktiv im Leben steht. Nicht ohne Wirkung im Film
sind die sprechenden Gesichter.
Von seinem Weg durch Deutschland und der Bekanntschaft mit den unrühmlichsten Vertretern dieses Landes in der faschistischen Zeit erzählt Onkel Kari in dem gleichnamigen Film, den Gabor Denes (Buch: Eva Kaldy, Kamera: Michael Albrecht) vorstellte. Ein ungarischer Antifaschist sucht in unseren Tagen die Aufenthaltsorte seiner Häftlingszeit auf, zu denen auch die Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück gehörten. Während Juergen Herrmann historische Aufnahmen einbezieht, beschränkt sich Gabor Denes hauptsächlich auf eine musikalische Klangkulisse. Beides ist jeweils wirkungsvoll eingesetzt worden. Eine Erzählung von Martin Stephan nahm Wolfgang Muenstermann (Buch: Wolfgang Voigt, Kamera: Ali Bayram) zum Motiv für den 35minütigen Spielfilm "Insel am See". Eine Frau hielt im Kriege einen Kriegsgefangenen verborgen. Ihre Verhöre durch die Gestapo haben sie für ihr Leben gezeichnet. Die Geschichte aus unserer Gegenwart, in der wir allmählich aus der Sicht des kleinen Enkels über das Schicksal der Alten, geistig gebrochenen Frau erfahren, wird elegisch getragen erzählt. Die Seelandschaft, der ruhige Rhythmus der Montage, all das gibt dem Film das Gepräge. Die Gestalter waren jedoch überfordert, eine solche Vielschichtigkeit von Tragik und absonderlichem Tun der Alten (Hertha Thiele) tiefer auszudeuten.
Ein sprödes Thema weckt Interesse
Von Menschen, die im Lausitzer Braunkohlenrevier rekultivieren, erfahren wir in Christian Klemkes Film "Renaissance einer Landschaft", der in der Festivalinformation lief (Kamera: Frank Däumick). Ein scheinbar sprödes Thema weckt unser Interesse - ein Verdienst der Filmemacher. Hochschulfilme waren in Leipzig verdienternmaßen im Gespräch. Sie waren es übrigens auch schon im Herbst auf dem Nationalen Dokumentarfilm Festival in Neubrandenburg. Dort allerdings hatten auch die Filme "In Zwickau" und "Bei Ossi" zu Gesprächen angeregt. Beide sind von der Meisterschülerin Gabriele Denecke gestaltet worden. Schon vorher hatte sie mit "Wolters Trude" in Neubrandenburg Proben eines eigenwilligen Stilgefühls gegeben. Jene Trude ist eine 72jährige Frau aus der Umgebung von Potsdam, im Film über Zwickau sind es mehrere Frauen der mittleren Generation, in "Ossi" lernen wir weitere Zeitgenossen kennen, die uns ihr Schicksal enthüllen. Immer mischt sich in den Erzählstil der Regisseurin Melancholie, wehmütiges, gar elegisches Betrachten. Ich bin gespannt ob sie diesen Stil ferner durchhält. Schade bei allem, und es ist ein Zug unserer Tage, daß uns auf Festivals und Informationsschauen ein solch umfangreicher Brains Trust geboten wird, der Auseinandersetzungen über einzelnes kaum noch zuläßt. Da lädt doch manches zum Schwärmen auch über Details ein, da möchte man auch Ansichten wie ich sie in der ehemaligen Bierschwemme bei Ossi am Ostbahnhof höre, nicht unwidersprochen lassen. Viele dieser Filme jedenfalls sollten in unserem Bezirk Publikum haben, manchmal wären Gespräche mit Filmhochschülern über ihre Arbeiten für alle Beteiligten ein Gewinn.
Hannuschka, Klaus: Hochschulfilme - mehr als Übungen : im Rückblick: Internationales Dokumentarfilmfestival. In: Märkische Volksstimme, Potsdam, v. 5. 12. 1980
Arbeiterfotograf
Diplomfilm 35mm c 23 min PJ: 1979
DB/RE/SZ: Peter Badel - KA: Prashant Chandar Bajpaj -
PR: Kurt Schmidt - SC: Gudrun Prietz - TO: Harald Clauß
Auskünfte
Hauptprüfungsfilm 16mm s/w 15:14 min PJ: 1980
DB/RE: Manfred Hildebrandt - DR: Egbert Lipowski - KA: Zeph Makgetla -
KA-AS: Andreas Bergmann - PR: Christian Sturm -
SC: Gerda von Dorszewski - TO: Volker Werner
Bahnpostfahrer
Übung 16mm c 16 min PJ: 1979
DB/RE: Herwig Kipping - KA: Martin Schlesinger ; Peter Mittwoch -
PR: Uwe Struwe
Fakhani, 17. Juli
Übung 35mm c 5 min PJ: 1981
RE: Kaiss Al-Zubaidi - KA: Mahmoud Khalil
Glück auf - Bilder einer Begegnung
Diplomfilm 16mm c 25 min PJ: 1981
DB/RE: Rainer Burmeister - DB/SZ: Katrin Weiler - DR: Fritz-Martin Barber -
KA: Marwan Salamah - AL: Marina Berger - SC: Gerda von Dorszewski -
TO: Wolfgang Donath ; Gabi Boldt
Immer Vorstellung (AT: Der Trieb)
Diplomfilm 16mm c 25 min PJ: 1981
DB/RE: Ivan Cibulka - DR: Egbert Lipowski - KA: Marwan Salamah -
SC: Lily Galvez - PL: Dietmar Hildebrandt - TO: Volker Werner
Jeder muß wissen, auf wen er schwört
Hauptprüfungsfilm 16mm c 32 min PJ: 1980
DB/RE: Jürgen Herrmann - DB: Roland Neumann - KA: Roland Eising -
AL: Rainer Flemming - SC: Andrea Neuhaus
Schüler in Rathenow
Hauptprüfungsfilm 16mm s/w 19:24 min PJ: 1981
DB: Fritz-Martin Barber - RE: Malik El-Hag - DR: Roland Neumann -
KA: Donald Halimana ; Rainer Fresdorf - PL: Steffen Kurock - SC: Karin Geiß
Verstehen lernen - verstanden werden (AT: Ludwigsfelde)
Diplomfilm 16mm c 32:50 min PJ: 1981
DB/RE/SC: Renate Oelschlägel - SZ: Axel Otten - DR: Klaus Rümmler -
KA: Thomas Zahn - KA-AS: Rudolf Clauß ; Hans-Jürgen Pappert -
PL: Sabine Reusch - AL: Addei Ali H. Mohamed
Wir spielen nicht für Geld (AT: Böhmen Suite)
Hauptprüfungsfilm 35mm c 25 min PJ: 1981
DB/SZ: Carola und Hans Hattop - RE: Hans Hattop - DR: Egbert Lipowski -
KA: Hans-Jürgen Pappert ; Frank Mücke - AL: Petr Trunecek -
PL: Holger Lochau - SC: Karin Geiß - TO: Werner Volker ; Dagmar Mundt
...Der libanesische Dokumentarist Mahmoud Khalil studiert an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg. Während der Aufnahmen zu seinem Diplomfilm, in dem er ein Mädchen vorstellt, das durch den israelischen Krieg beide Beine verloren hat und in unserer Republik die Möglichkeit erhielt, einen Beruf zu erlernen, erlebte er die Auswirkungen des israelischen Luftangriffs am 17. Juli 1981 auf Beirut. "Die DDR bietet mir die Möglichkeit, mit den Mitteln des Films über die israelische Aggression zu berichten, mit der die Vernichtung meines Volkes und anderer Völker betrieben werden soll."
(In: Hoff, Peter ; Knietzsch, Horst ; Scholz, Ursula: Die Kraft von vielen wird den Frieden sichern : eindrucksvolle Beiträge zu Lebensfragen der Zeit. Neues Deutschland, Berlin-Ausg. v. 26. 11. 1981)
...Leider war ich vom jüngsten Jahrgang der Hochschule für Film und Fernsehen nicht sehr überzeugt. Gerade hier fand die Begegnung mit Menschen, die etwas mitbewirken - um noch einmal bei diesem Wort zu bleiben - nicht statt. Den Porträts eines Bahnpostfahrers, zweier Bühnenarbeiter, einer in einem Altersheim arbeitenden Oberschülerklasse und eines Arbeiterfotografen fehlte nicht etwa handwerkliches Können - dies ist kein Kriterium für die Beurteilung eines Debüts - sondern inhaltliche Substanz. Hier habe ich in den vergangenen Jahren schon Besseres gesehen...
(In: Hametner, Michael: Der kämpferische Dokumentarfilm : bemerkenswerter DDR Beitrag beim 24. Festival der Internationalen Leipziger Kurz- und Dokumentarfilmwoche. Ostseezeitung, Rostock, v. 27. 11. 1981)
... Sechs Filmübungen von Studenten aus der DDR, Bulgarien, Indien, vom ANC und von der PLO, die gegenwärtig an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR studieren, gingen während einer Sonderveranstaltung über die Leinwand.
Starken Beifall erhielt der Beitrag "Fakhani, 17. Juli", den die beiden Palästinenser Mahmoud Khalil und Kaiss Al-Zubaidi drehten. Er wurde nachträglich für den Wettbewerb nominiert. Diese fünfminütige kommentarlose Produktion zeigt bestürzende Bilder der Verwüstung und des Todes in einem dichtbesiedelten Beiruter Wohnviertel als Hinterlassenschaft israelischer Bomber an diesem Freitagvormittag.
(In: ... Die Kamera als Waffe : 24. Dokfilmwoche in Leipzig. Sächsische Neueste Nachrichten, Dresden, v. 3. 12. 1981)
...Alljährlich ist die Hochschule für Film und Fernsehen der DDR mit einem Sonderprogramm in Leipzig vertreten. Diesmal zeigen die Babelsberger Hochschüler "Bahnpostfahrer", eine interessante Bilderzählung über einen Postangestellten, "Jeder muß wissen, auf wen er schwört", der in einem etwas übervollen Rahmen Soldaten des Hans-Beimler-Regiments vorstellt. Die Hochschule zeigte den schon erwähnten Film über den israelischen Terrorangriff auf Beirut, "Immer Vorstellung", in dem zwei imposante technische Mitarbeiter des Theaters der Freundschaft vorgestellt werden, ferner junge Menschen, die ältere Bürger in einem Heim betreuen in "Schüler in Rathenow", wobei die Veteranen besser ins Bild gesetzt werden als die jugendlichen Helfer. Einen Berliner Parteiveteranen erlebten wir in "Arbeiterfotograf". Wenn nicht jeder liebenswerte alte Genosse auch vor der Kamera brillieren kann, so hätte ich mir doch in diesem Film eine größere Würdigung der vorhandenen Bilddokumente über die Kämpfe der Arbeiterklasse in der Weimarer Zeit gewünscht.
(In: Hanuschka, Klaus: ... ? Märkische Volksstimme, Potsdam, v. 4. 12. 1981)
Sechs Filme stellte die Hochschule für Film und Fernsehen der DDR (HFF) in Leipzig vor - auch das nun schon ein traditioneller Beitrag zum Festival. Weitere vier HFF-Filme liefen in der Tradeshow, von der Festival-Direktor Ronald Trisch auf der internationalen Abschlußpressekonferenz sagte, sie habe mit ihren 156 Filmen zu einer Bereicherung des Festivals beigetragen und den unabhängigen Filmemachern der westlichen Länder Möglichkeiten geboten, mit Verleihfirmen - 23 Fernsehstationen waren vertreten - ins Geschäft zu kommen. Die DDR-Hochschule war mit 120 ihrer Angehörigen nach Leipzig gekommen, und wie alljährlich waren auch Delegationen der Parteihochschulen zu Gast. Auch sie stellten sich als kritische Beurteiler und als Gesprächspartner zur Verfügung und nutzten die Gelegenheit, Einblick in das Ausbildungsprogramm anhand der gezeigten Filme zu nehmen. Unter dem Angebot waren drei Hauptprüfungsfilme - "Jeder muß wissen, auf
was er schwört", "Immer Vorstellung", "Arbeiterfotograf".Gutes aber unterschiedliches Niveau - so kann man seinen Eindruck von diesem Sonderprogramm auf eine kurze Formel bringen. Für einen der schwächeren Beiträge hielt ich "Bahnpostfahrer", eine Arbeit von Studenten des 2. Studienjahres (Buch und Regie: Herwig Kipping, Kamera: Martin Schlesinger), die in Form einer Assoziationsmontage versucht, die Gedanken, Gefühle und Tagträume eines jungen Burschen dem geneigten Betrachter zu erschließen. Nun, der Betrachter war geneigt, erschließen ließ sich wenig. Aber der Film war einen Versuch wert. Von Herwig Kipping wird übrigens ein dramatischer Film als Diplomarbeit erwartet. nach eigenen Vorschlägen will er über Vorgänge in den letzten Tagen Hölderlins reflektieren, um auf diesen Dichter aufmerksam zu machen, auf sein Künstlertum und den Konflikt, in dem er mit seiner Umwelt lebte. "Immer Vorstellung" (...) war ein heiterer Film, mit dem der bulgarische Student Iwan Cibulka seinen ersten Dokumentarfilmversuch unternahm. Er zeichnete den Alltag zweier Bühnenarbeiter auf, und hatte mit den beiden eine glückliche Hand. Von ihrem trocknen Humor, ihrem Mutterwitz lebte der Film, der jedoch auch handwerklich gut gemacht war. Ihm werden wir sicher auf dem Fernsehschirm begegnen, denn wie Dr. Franz Jahrow, Direktor des Studios der HFF, ausführte, werden Hauptprüfungs- und Diplomfilme als Sendebeiträge projektiert und gezeigt - wenn sie gelingen. Dieser scheint gelungen. Im Studio der HFF entstehen jährlich etwa 25 Produktionen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kommen sie zur Sendung. Den Hauptanteil bilden dabei publizistische Filme. Der Regie-Student Jürgen Hartmann stellte sich in Leipzig mit seiner Hauptprüfungsarbeit "Jeder muß wissen, worauf er schwört" vor, die anläßlich des 25jährigen Bestehens der NVA entstand. Die 32 Minuten dieses Farbfilms brachten eine ganze Anzahl von Klischees mit auf die Leinwand. Das nahm dem Film viel von seinem Spannungsbogen aus der Gründungszeit der Volksarmee in die Bewährungssituationen des heutigen Soldatenalltags. Dem Arbeiterfotografen Ernst Thormann setzten Peter Badel (Buch und Regie) und der Inder Prashant Baipaj (Kamera) ein gelungenes filmisches Denkmal mit ihrer Hauptprüfungsarbeit "Arbeiterfotograf" (...). Sie schufen das Porträt eines Mannes, der heute als Rentner in Berlin-Adlershof wohnt, und zwischen 1925 und 1933 einer der bekanntesten Berliner Arbeiterfotografen war. Seine Bilder erschienen in der "Roten Fahne" und in der legendären "AIZ". Thormann selber erinnert sich in dem Film nicht ohne Bewegung an ein Titelfoto, das ihm gelang. Und von dieser Bewegung geht etwas auf den Betrachter über, weil in ihr eine Zeit gesellschaftlicher Auseinandersetzungen lebendig wird, die wir in unsere Geschichtsbücher eingeschlossen glauben. An den Wochenenden betreuen Schüler aus Rathenow Rentner in einem Pflegeheim. Verschiedene Generationen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Zukunftserwartungen begegnen sich. Das ist eine Ebene. Die andere ist, das 16- bis 18jährige ihre Freizeit auf eine solche Weise nutzen. Warum? Der Film "Schüler in Rathenow" (Regie: Malik el Hag, Buch: Fritz-Martin Barber, Kamera: Donald Halimana) spürt dieser Frage nach, macht auf gar nicht vordergründige Weise mit Motiven und Haltungen bekannt und dem Selbstbewußtsein junger Leute, ihrem Verantwortungsgefühl. Mit 20 Minuten ein kurzer Film - aber ein wichtiger.
(In: Baake, B.: Die Filmemacher von morgen : Hochschule für Film und Fernsehen stellte sechs Filme vor. -Thüringische Landeszeitung, Weimar, v. 5. 12. 81)
Eine Mutter - Nadja Bunke
Diplomfilm 16mm 28:39 min PJ: 1982
DB/RE: Malik El-Hag - DR: Fritz-Martin Barber - KA: Andreas Bergmann -
PR: Christian Junker - SC: Karin Geiß
Heidia Mourad
Diplomfilm 16mm c PJ: 1982
RE: Mahmoud Khalil - DB: Rolf Liebmann - KA: Martin Schlesinger ;
Ali A. Bayram - PL: Frank Bartels - SC: Gudrun Prietz
Kontrapunkt
Übung 16mm 16:40 min
RE: Andreas Höntsch - KA: Peter Moschall
Unter Bauern
Diplomfilm 35mm c PJ: 1982
DB/RE: Dieter Schumann - SZ: Armin-Hagen Liersch - DR: Roland Neumann -
KA: Michael Albrecht - KA-AS: Manfred Seidel ; Dietrich Fabienke -
PR/PL: Dietmar Hildebrandt - SC: Gerda von Dorszewski - TO: Willi Agotz ;
Volker Werner
Vier Diplom- und Übungsfilme von Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR wurden am Mittwoch in einer Sonderveranstaltung den Teilnehmern des Jubiläumsfestivals vorgestellt. Gezeigt wurden die Filmübung "Kontrapunkt" von Andreas Höntsch (2. Studienjahr) sowie die Dokumentarfilme "Unter Bauern" von Dieter Schumann (Diplomfilm),"Eine Mutter - Nadja Bunke", Diplomfilm des von der Kommunistischen Partei Israels zum Studium delegierten Malik Hag, und "Heidia Mourad", Diplomfilm von Mahmoud Khalil (PLO).
Seit 1961 gibt das Leipziger Festival der Hochschule Gelegenheit, Ausbildungsergebnisse einem internationalen Fachpublikum vorzustellen.
Seither liefen in Leipzig insgesamt 144 Studentenfilme. Darunter befanden sich zahlreiche Erstlingsarbeiten heute bekannter Filmschaffender wie Kurt Tetzlaff, Celino Bleiweiß, Karlheinz Mund, Gunther Scholz, Roland Steiner, Christa Mühl und Bodo Fürneisen sowie Arbeiten von Studenten, unter anderem aus Algerien, Bolivien, Bulgarien, Griechenland, Jordanien, Libanon, Somalia, Syrien, Sudan, Venezuela und Ungarn.
(In: ...: Debüt vor dem Leipziger Publikum : Sonderveranstaltung mit Arbeiten Babelsberger Filmstudenten. Volksstimme, Magdeburg, v. 25. 11. 1982)
Aus dem Protokoll:
... Höhepunkt für Studenten und Lehrkräfte aus der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR ist der Tag, an dem sie in einer Sonderveranstaltung unter dem Titel "Studieren - Produzieren - Gestalten" eigene Film- und Fernsehbeiträge vorstellen können, die im zurückliegenden Jahr während des Studiums entstanden. Deutlich werden dabei nicht nur Methoden und Ergebnisse eines wichtigen Teilgebietes der Hochschulausbildung, sondern auch die vielfältigen Beziehungen der Hochschule zu erfahrenen Film- und Fernsehschaffenden unseres Landes, die sich als Gastlehrkräfte und Mentoren für studentische Produktionen zur Verfügung stellen. Und da die Studenten vor allem beim Dokumentarfilm auf Stoffe orientiert werden, die aus ihrem eigenen Erfahrungsbereich, aus der von ihnen erlebten gesellschaftlichen Umwelt stammen, erhalten die Zuschauer ein Bild von Menschen und Ereignissen im gegenwärtigen Entwicklungsstadium des Sozialismus in der DDR aus der Sicht der nachrückenden Generation junger Filmschaffender...
Cachencho
Diplomfilm 16mm c 25 min PJ: 1983
RE/DB: Carlos H. Puccio - DR: Egbert Lipowski - KA: Holger Ackermann -
PL: Heinz-Jürgen Jeserigk - SC: Gerda von Dorszewski - TO: Manfred Berger
Mein Gewissen ist rein
Übung 16mm s/w 6:31 min PJ: 1983
RE: Dror Zahavi - KA: Ralph Lampe ; Matthias Tschiedel ; Rüdiger Pelikan -
SC: Gerda von Dorszewski
Schirrmeisters (= Bei Schirrmeister)
Hauptprüfungsfilm 16mm c 24:30 min PJ: 1983
RE/SZ: Gautam Bora - SZ: Roland Neumann - KA: Ralf Bartsch -
PL: Peter Gärtner - SC: Renate Bade - TO: Volker Schäfer
Speiche
Hauptprüfungsfilm 16mm c 30 min PJ: 1983
DB/RE: Frank Rinnelt - DR: Fritz-Martin Barber - KA: Volkmar Kochan -
PL: Holger Lochau - SC: Gudrun Prietz - TO: Bernd Höhne
Das Versprechen
Hauptprüfungsfilm 16mm c 20 min PJ: 1983
DB/RE/SZ: Frank Sperlich - DB/SZ/RE-AS: Paschalis Papapetrou -
DR: Fritz-Martin Barber - KA: Phi Tien Son - PR: Tidiane Camara Sekou -
SC: Evelyn Thiel
5 Minuten
16mm s/w ; c 7 min
Idee/KA/Gestaltung: Roland Schellin
60 Minuten in 90 Sekunden (AT: Zugfahrt)
16mm s/w 5 min
RE: Frank Hoffmann - KA: Roger Hofmeyer
Seit Jahren bietet das Leipziger Festival Studenten der Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen in einer traditionellen Sonderveranstaltung ein Forum für erste Filmversuche. Dem Charakter des Festivals entsprechend wurden wieder Filme ausgewählt, die vom Befreiungskampf der Völker wie von ihrem friedlichen Aufbruch zeugen. Für mich am interessantesten war "Cachencho" von unserem chilenischen Kommilitonen Carlos Puccio. Der zusammen mit dem Kamerastudenten Holger Ackermann realisierte Hauptprüfungsfilm bringt einen ungwöhnlichen Mann nahe: Fernando Gallardo, Schauspieler und Regisseur in Chile, erreichte als "Cachencho" in einer Kindersendung so große Popularität, daß die Militär-Junta ihn, dem Kommunisten, 1973 die Weiterarbeit gestatten mußte. Seine illegale politische Betätigung zog dann jedoch Haft und schließlich das Exil in der DDR nach sich. Wir begegnen Gallardo zuerst so, wie er als "Cachencho" auf chilenischen Bildschirmen bekannt war, dann hineingestellt in ein typisches Neubaugebiet unseres Landes. Anhand von Fotos, Zeitungen und einem sehr persönlich gehaltenen Kommentar dokumentiert Puccio den künstlerischen und politischen Weg Fernando Gallardos, der sich im Interview nur sparsam äußert. Weit mehr erzählen die Bilder. Man spürt, das ihm seine Kunst, in der der körperliche Ausdruck, die physische Haltung weit wichtiger sind, als es Worte sein können, daß sie ihm im Kampf für sein Volk Kraft gibt. So korrespondierte dieser "Exilfilm" mit der im "Casino" laufenden Chile-Retrsopektive. Studenten dreier Erdteile waren an "Das Versprechen" beteiligt. Der Regiestudent Paschalis Papapetrou aus Zypern setzt sich gemeinsam mit seinem vietnamesischen Kameramann Phi Tien Son, Sekou Tidiane Camera aus Guinea (Produktion) und Otto-Frank Sperlich aus der DDR (Buch) mit dem Befreiungskampf des griechischen Volkes auseinander. Aus Kompilationsmaterial, Gedichten und Musik von Mikis Theodorakis, entstand eine lyrische Chronik, deren Metaphern - auch durch technische Unzulänglichkeiten - nicht leicht zu entschlüsseln waren. Doch hatte der Film in seiner Formenvielfalt jenen Experimentalcharakter, den man bei anderen Hochschulfilmen vermißte. (Die experimentelle Kameraübung "60 Minuten in 90 Sekunden" war in ihrer Ausweglosigkeit für ein internationales Filmfestival leider ein Mißgriff der Auswahlkommission.)Diskussionsstoff bot "Speiche", der Hauptprüfungsfilm von Frank Rinnelt (Buch und Regie), der das Porträt eines Schweißerbrigadiers unter dessen Spitznamen zeichnete. Ein kleines Kollektiv von Filmstudenten hatte Gelegenheit, ihn beim Bau der Erdgastrasse in der Ukraine kennenzulernen, mit ihm dort und während eines Urlaubs in Luckenwalde Interviews zu führen. Der Zuschauer lernt einen Mann kennen der über seinen ungewöhnlichen Einsatz nüchtern spricht und dem man doch anmerkt, welch unverzichtbarer Teil seines Lebens diese Arbeit wurde. Leider hatte der ansonsten sympathische Film keine innere Ordnung. Bedauerlich auch, daß, abgesehen von Straßenaufnahmen in Luckenwalde und kargen Bildern eines Lagerfeuers in der Ukraine, keinerlei Lokalkolorit vermittelt wurde. Eine weitere Kamera- und eine Regieübung vervollständigten das Hochschulprogramm. In "5 Minuten" montierte Kamerastudent Roland Schellin Bilder von der Auflösung bis zur Explosion einer Neutronenbombe mit den der letzten Minuten der Geburt eines Kindes. Die bereits bekannte Idee beeindruckte in ihrer künstlerischen Umsetzung. Der Regiestudent Dror Zahavi, von der Kommunistischen Partei Israels für ein Studium zu uns delegiert machte in "Mein Gewissen ist rein" die aggressive Politik Israels zum Thema seiner Auseinandersetzung. Aussagen Begins, Sharons und eines anonymen Generals in einer fiktiven Pressekonferenz aneinander, um den Zynismus und die Gefährlichkeit dieser Politiker deutlich zu machen. Wenn die Methode auch umstritten war, zeichnete sich die Filmübung doch durch eigenwillige Bildideen aus.
(In: Habel, Frank-Burkhard: Cachencho : Hochschulfilme auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche. Sonntag, Berlin, 51/1983)
Alle Jahre wieder
Hauptprüfungsfilm 16mm c 27:13 min PJ: 1984
DB/RE: Andreas Höntsch - DR: Roland Neumann ; Sylvia Donat ;
Frank-Burkhard Habel - KA: Peter Moschall - PL: Holger Bohm -
SC: Beate Stübe ; Karin Geiß ; Andreas Höntsch - TO: Rainer Möschke
Dauerlauf
Übung 16mm c 4 min PJ: 1984
RE/KA: Thomas Falk
Illapu - ein Lied von Freiheit und Liebe
(= Illapu una cancion de libertad y amor)
Diplomfilm 16mm c 22:40 min PJ: 1984
RE/DB: Carlos H. Puccio - DR: Egbert Lipowski - KA: Peter Ziesche -
PL: Jörg Neumann - SC: Karin Geiß - TO: Jochen P. Ihle ; Volker Werner
Knete
Übung 35mm c 6 min PJ: 1984
DB/RE/KA/PR/SB: Tony Loeser - TO: Karl-Heinz Sass
Der Zukunft Schwalben werden singen
(= Paulos Liasides - ein Dichter im Exil / in Zypern)
Diplomfilm 16mm c 38:04 min PJ: 1984
DB/RE: Paschalis Papapetrou - KA: Paschalis Panajiotis - DB: Frank Sperlich -
PR: Renate Rümmler - SC: Karin Geiß - DR: Fritz-Martin Barber
Zum letzten Mal Marionettentheater Ritscher
Diplomfilm 16mm c 28:48 min PJ: 1984
DB/RE/SZ: Renata Kaye - DB/SZ: Hanna Emuth - DR: Egbert Lipowski -
KA: Volkmar Kochan ; Nguyen Vü - PL: Tilo Mittelstrass -
SC: Gerda von Dorszewski - TO: Karl-Heinz Sass
...Großes Interesse fand gestern auch ein Programm mit Studentenarbeiten der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR. Sie hatte sich jedoch nicht nur mit ihren Filmen ins Gespräch gebracht, sondern durch aktive Solidarität mit Nikaragua, die hier von der ersten Stunde an spürbar ist...
(In: Stolze, Raymund: Bilder des Kampfes und der friedlichen Arbeit : Filme aus Japan und der UdSSR gegen die US-Hochrüstung, Solidaritätsaktion von Studenten der Filmhochschule. Junge Welt, Berlin, v. 28. 11. 1984)
Filmstudenten aus Babelsberg gaben am Dienstag in der seit 1961 beim Leipziger Festival traditionellen Sonderveranstaltung der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR Einblick in ihre Ausbildung. Zu den sechs mit Anerkennung und Beifall des sachkundigen internationalen Publikums aufgenommenen Beiträgen gehörten das Porträt der im Exil lebenden chilenischen Folkloregruppe "Illapu - Lied von Freiheit und Liebe" sowie "Alle Jahre wieder", in dem die Studenten auf humorvolle Weise über ihre Mühen beim Erlernen des Filmhandwerks berichten...
(In: ADN: Filmstudenten stellten Werke vor. Märkische Volksstimme, Potsdam, v. 28. 11. 1984)
...Vielversprechend schließlich eine Kollektion von Studentenarbeiten der Potsdamer Filmhochschule, die hier in einer Sonderveranstaltung zu sehen waren. Der eine oder andere Name dieser Nachwuchsdokumentaristen wird uns sicher bald in künftigen Wettbewerben wiederbegegnen - jung, wie das Festival ist und sicher auch bleiben wird.
(In: Berger, Peter: Dokumentarkunst auf der Höhe unserer Zeit : Filme für Frieden und Fortschritt fanden wiederum ein begeistertes Publikum. Neues Deutschland, Berlin-Ausg. v. 30. 11. 1984)