Biografie Eisenstein
1898Geboren am 22.1. in Riga als einziger Sohn des Zivilingenieurs und Architekten Michail Eisenstein und seiner Frau Julija, geb. Konezkaja
1906    E. sieht in Paris zum erstenmal einen Film: "Die 400 Streiche des Teufels" von Georges Méliès
1908Eintritt in die Städtische Realschule
1909Trennung der Eltern. E. bleibt beim Vater
1912Die Aufführung der "Prinzessin Turandot" der Theatertruppe Neslobins weckt in E. Begeisterung für das Theater, insbesondere für die Commedia dell'arte
1915Abschluß der Realschule. Immatrikulation am Petrograder Institut für Zivilingenieure
1917    Meyerholds Inszenierung der "Maskerade" bekräftigt den inneren Impuls, sich der Kunst professionell zuzuwenden. Erste Veröffentlichung von Karrikaturen. Einberufung zur Front
1918Freiwilliger Eintritt in die Rote Armee als Techniker für militärische Bauten. Skizzen zu einem Bühnenbild für "Mysterium buffo"
1919Arbeit in Armeeklubs in Woshega, Dwinsk, Cholm, Welikije Luki als Regisseur, Schauspieler und Ausstatter. Intensive Beschäftigung mit dem Theater, Erarbeitung von Skizzen und Bühnenbildern
1920In Polozk, Mogiljow, Smolensk. Beschäftigung mit der japanischen Sprache, entdeckt dabei für sich das Kabuki-Theater. September: Demobilisierung und Delegierung an die Generalstabsakademie Moskau, zum Studium der japanischen Sprache. Zwischenaufenthalt in Witebsk. Begegnungen mit Malewitschs suprematistischer Wandmalerei. In Moskau Beginn der Arbeit im Proletkult an den Dekorationen für den "Mexikaner". Austritt aus der Akademie des Generalstabs. Leitet die Dekorationsabteilung beim Proletkult. Unterrichtet ab Dezember in dessen Werkstätten
1921Ernennung zum Mitglied des Theaterkollegiums beim Proletkult. Premiere "Der Mexikaner". Aufnahme in Meyerholds Regiewerkstätten GVYRM. Ab November Arbeit an "Eine Dummheit macht sich selbst der Gescheiteste". Entwurf des Bühnenbilds für "Gute Behandlung der Pferde" in Foreggers Theater MASTFOR
1922Premiere "Gute Behandlung der Pferde". Reise nach Petrograd zur "Fabrik des Exzentrischen Schauspielers" (FEKS). Weggang von der GVYRM. E. wird Regisseur der PERETRU /Wandertruppe des Proletkult). Premiere von "Tarelkins Tod" im Meyerhold-Theater. E. war bei dieser Inszenierung Regielaborant
1923Premiere des "Gescheitesten" mit Filmteil "Glumows Tagebuch". "Montage der Attraktionen (erstes theoretisches Manifest) erscheint in der Zeitschrift LEF. Inszenierung und Premiere von Tretjakows "Hörst du, Moskau?!". Beginn der Arbeit an Tretjakows "Gasmasken"
1924Aufführung der "Gasmasken" in einem Moskauer Gaswerk. Montiert Fritz Langs "Dr. Mabuse, der Spieler" um. Juli - Oktober: Aufnahmen zu "Streik", November: Montage. Dezember: Bruch mit dem Proletkult. Beginn der Arbeit am Szenarium "Die Reiterarmee" nach Babels Roman. Wechsel zur Moskauer Abteilung des Produktions- und Vertriebsstudios SEVSAPKINO
1925am 28.4. Premiere "Streik" im Moskauer Kino "Collosseum". Beginn der Arbeit am Film " Das Jahr 1905". Juli: Dreharbeiten in Moskau/Leningrad. August: Odessa. Hier erfolgt die Präzisierung des Projekts "Panzerkreuzer Potjomkin". Aufnahmen in Sewastopol. November: Montage. 21.12.: Premiere "Panzerkreuzer Potjomkin" im Bolschoi-Theater zur Feier des 20. Jahrestages der Revolution von 1905
1926Reise nach Berlin, mit E. Tissé, zum Studium der neuesten Filmtechnik. Mai: Beginn der Arbeit am Drehbuch zu "Die Generallinie". Begegnung mit Douglas Fairbanks und Mary Pickford in Moskau, die ihn im Namen der United Artists nach Hollywood einladen. September: Angebot des damaligen Staatlichen Filmkomitees SOVKINO, einen Film zum 10. Jahrestag der Oktoberrevolution zu machen. E. schreibt das Drehbuch zu "Oktober". Erste Aufnahmen für "Die Generallinie" in Rostow am Don, Baku und im Nordkaukasus
1927Unterbrechung der Dreharbeiten zu "Die Generallinie". Fortsetzung der Bucharbeit an "Oktober". April: Aufnahmen in Leningrad. September: Schnitt in Moskau. Idee zur Verfilmung des "Kapitals". 7.11.: erste öffentliche Vorführung von "Oktober". Danach Weiterarbeit an der endgültigen Schnittfassung
1928Bruch mit der Gruppe LEF. Am 14.3. Premiere "Oktober". Beginn der Lehrtätigkeit am GTK (Staatliches Filmtechnikum). Tonfilm-Manifest
1929Fertigstellung und Abnahme "Die Generallinie". Zyklus von Aufsätzen für ein "kugelförmiges Buch". Theorie des intellektuellen Films. August: Reise mit Alexandrow und Tissé nach Berlin. Teilnahme am Kongreß Unabhängiger Filmschaffender in La Sarraz (Schweiz) als Gast
1930Amsterdam, Berlin, Brüssel, Paris. Vorträge und Begegnungen. Verhandlungen mit der "Paramount". Einladung nach Hollywood. Mai: Ankunft in den USA.Vorträge an den Universitäten Columbia, Harvard, Chicago, Yale u.a. Begegnung mit Chaplin, Sinclair, Dreiser und Disney. Arbeit an Drehbüchern zu "Sutters Gold", "Schwarze Majestät", "Eine amerikanische Tragödie". Konzept des inneren Monologs.Bruch mit der "Paramount". Herstellung eines Films über Mexiko, der von Upton Sinclairs "Mexican Picture Trust" finanziert wird. Dezember: Beginn der Dreharbeiten in Mexiko
1931Aufnahmen in ganz Mexiko
1932Abbruch der Dreharbeiten. Rückkehr über die USA und Westeuropa nach Moskau. Arbeit am Szenarium zur exzentrischen Komödie "MMM". Reise nach Armenien und Georgien
1933Arbeit an einem Programm zur Theorie und Praxis der Filmregie (1. Fassung), am Buch "Regie" auf der Grundlage von Vorlesungen, die E. im GIK (Staatliches Filminstitut) gehalten hat. Erarbeitung des Drehbuchs "Moskau". Regievertrag im Moskauer Filmstudio SOJUZKINO
1934Vorbereitung der Inszenierung von N. Sarchis Stück " Das zweite Moskau" am Theater der Revolution. Teilnahme am 1. Allunionskongreß sowjetischer Schriftsteller. E. heiratet die Journalistin Pera Ataschewa
1935Rede auf der Allunionskonferenz sowjetischer Filmschaffender (Konspekt des Buchprojekts "Grundproblem"). Arbeit am Szenarium "Beshinwiese". Beginn der Dreharbeiten bei Moskau und Charkow
1936Erarbeitung einer neuen Bühnenfassung zu "Beshinwiese" gemeinsam mit Babel. Wiederaufnahme der Dreharbeiten in Jalta und Odessa
1937    Ernennung zum Professor am GIK. Abbruch der Dreharbeiten zu "Beshinwiese" und Vernichtung des Negativs auf Weisung der Hauptverwaltung Film. Arbeit mit P. Pawlenko am Szenarium "Rus" (später "Alexander Newski"). Arbeit am Buchprojekt "Montage"
1938Materialsammlung für "Alexander Newski" in Nowgorod. Juni: Beginn der Dreharbeiten im Mosfilmstudio und bei Pereslawl-Salesski
1939Leninorden. Verleihung des Titels "Doktor der Kunstwissenschaften". Arbeit am Filmprojekt "Ferganakanal". Abbruch der Arbeit. Untersuchung "Über den Bau der Dinge". Arbeit an der "Walküre"-Inszenierung im Bolschoi-Theater Moskau
1940Idee zu einem Farbfilm über Puschkin. Beginn der autobiographischen Aufzeichnungen. Untersuchungen: "Vertikalmonatge", "Grundproblem" (erster Entwurf zum Buch "Methode"), "Nochmal über den Bau der Dinge". Arbeit am Szenarium "Iwan der Schreckliche". Berufung zum Künstlerischen Leiter des Mosfilmstudios. 24.11.: Premiere der "Walküre"
1941Evakuierung nach Alma-Ata. Abschluß der Bucharbeit "Iwan der Schreckliche". Untersuchung zur "Geschichte der Großaufnahme"
1942Bestätigung des Drehbuchs "Iwan der Schreckliche" durch das Staatliche Komitee für Kunstangelegenheiten. Vorwort zur amerikanischen Aufgabe seiner Aufsätze: "The Film Sense"
1943Ab April: Dreharbeiten zu "Iwan der Schreckliche". Arbeit am Buch "Methode"
1944Fortsetzung der Dreharbeiten. Juni: Rückkehr nach Moskau. Fertigstellung und Abnahme des ersten Teils.
194520.1.: Premiere des ersten Teils von "Iwan der Schreckliche" in Moskau. Arbeit am zweiten Teil. Untersuchung: "Eine nicht gleichmütige Natur"
1946Stalinpreis für den ersten Teil von "Iwan der Schreckliche". Auf Beschluß des ZK der KPdSU wird der zweite Teil nicht aufgeführt. Schwerer Herzinfarkt. Krankenhausaufenthalt. Abschluß der autobiographischen Aufzeichnungen
1947    Berufung zum Leiter des Sektors Film im Institut für Kunstgeschichte bei der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Aufsätze: "Pathos", "Über den Raumfilm" und zur Geschichte des Films
1948Untersuchung: "Zum Problem der Mise-en-scène". 11.2.: Tod durch Herzversagen. 13.2.: Beerdigung auf dem Moskauer Nowodewitschje-Friedhof. Die Obduktion ergab, daß Eisensteins Herz verbraucht war wie das eines 80jährigen - sein Gehirn dagegen jung wie das eines 20jährigen.


(mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber, leicht gekürzt, aus:
Eisentein, Sergej: Das dynamische Quadrat : Schriften zum Film / hrsg. und
übersetzt von Oksana Bulgakowa und Dietmar Hochmuth. - Leipzig : Reclam, 1988. -)

1958: 117 Filmhistoriker- und theoretiker aus 26 Ländern erklären in Brüssel
Eisensteins Film "Panzerkreuzer Potemkin" zum besten Film aller Zeiten!

Hff-Logo