Aida
16mm 22:04 min PJ: 1985
DB/RE/KA: Marwan Salamah - DB: Elke Schieber - DR: Roland Neumann -
SC: Karin Geiß
"Preis des Weltbundes der Demokratischen Jugend"
Als wir leben wollten
Hauptprüfungsfilm 35mm 34:10 min PJ: 1985
DB/RE: Dirk Otto - DR: Hans-Joachim Wallstein - KA: Ralf Lampe -
PL: Dieter Andres - AL: Karin Kniest - SC: Karin Geiß - TO: Karl-Heinz Sass
Das Debüt - Versuch eines Dialogs
Übung 16mm c 35 min PJ: 1985
DB: Manfred Hildebrandt ; Torsten Schulz - RE: Dietmar Heiduk -
DR: Hans-Joachim Wallstein - KA: Matthias Eichhorn ; Olaf Ullmann -
PR: Astrid von Gliszczynski ; Heiko Winkler - SC: Gerda von Dorszewski -
TO: Rüdiger Vattrodt ; Günter Kochan ; Karl-Heinz Sass
Det reicht für'n Fisch
Übung 16mm s/w 8:47 min PJ: 1985
DB/RE: Kerstin Hesse - KA: Michael Schaufert - PR: Frank Pieritz ;
Michael Juhl - SC: Renate Oelschlägel
Edith bei Clärchen
Übung 16mm c 15 min PJ: 1985
DB/RE: Andreas Kleinert - KA: Sebastian Richter - PR: Andreas Fliegner ; Myriam Ulbricht - SC: Renate Oelschlägel
Tanz der Königspaare
Übung 16mm c 6 min PJ: 1985
RE/KA: Axel Ziegenspeck
Feierabend
Übung 16mm c 10 min PJ: 1985
RE/KA: Olaf Ullmann - SC: Sylvia Maiwald
Ich würde es leben
Hauptprüfungsfilm 16mm c 40 min PJ: 1986
DB/RE: Katrin Jäniche - DR: Roland Neumann - KA: Bernd Schadewald -
PL: Birgit Bruhns - SC: Ute Kraatz - TO: Birgit Kretschmar
Mit den Augen Xolotlans
Diplomfilm 16mm c 36:30 min PJ: 1986
DB/RE: Kerstin Hesse - DR: Fritz-Martin Barber - KA: Ulrich Wrede -
TO/PL: Angela Gerken - SC: Ingrid Landmesser
Spiegelungen
Übung 35mm c 3 min PJ: 1986
RE/KA: Frank Reinhold - SC: Ines Bluhm
Spuren lassen
Übung 16mm c 28 min PJ: 1986
RE: Andreas Kleinert - KA: Sebastian Richter - PL: René Biermann ;
Andreas Fliegner - SC: Kerstin Huhnholz
Täglich mit den Füßen auf märkischem Sand
Hauptprüfungsfilm 35mm c 23 min PJ: 1986
DB/RE: Jens Hercher - SZ: Hans Hattop - DR: Egbert Lipowski -
KA: Ulrich Wrede - PR: Astrid von Gliszczynski - SC: Ines Bluhm -
TO: Karl-Heinz Sass
Es gehört seit Jahren zur guten Tradition der Leipziger Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmwoche, daß Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen in einer Sonderveranstaltung die Chance gegeben wird, vor einem internationalen Interessentenkreis neueste Arbeiten zu zeigen - Komplexübungen (Regie, Kamera, Produktion, Schnitt), Kameraübungen, Hauptprüfungsfilme, auch Experimentelles. Schon immer, sorgten Beiträge der Hochschule für Zündstoff in den Gesprächsrunden um die Darstellung des realen Sozialismus, um den Stand des Dokumentarfilmschaffen in unserem Lande, egal, ob auf den nationalen Dokumentarfilmfestivals in Neubrandenburg oder eben vor einem internationalen Forum in Leipzig. Und nicht selten entstand der Eindruck, daß die Filmemacher in spe offensiv und konstruktiv Themen unserer Zeit angehen und diese auch in entsprechender Frische offerieren. Diesmal nun sechs Beiträge der Hochschule, unterschiedlich in Thematik, Handschrift, Anliegen sowie Aufgabenstellung - auch in der Bewältigung künstlerischen Ausdrucks. Auffallend das Streben zum Porträtfilm - über das Porträt die Schönheit unseres Alltags und seiner Menschen darzustellen und unserer Gegenwart so ein wenig näherzurücken.
Spuren lassen
Komplexübung - Regie Andreas Kleinert, Kamera Sebastian Richter, Produktion Rene Biermann, Andreas Fliegner, Schnitt Kerstin Huhnholz
Wozu lebt man, wenn der Wind unsere letzte Spur schon verweht, bevor sie festgetreten ist, fragt die 72jährige verwitwete Edith Erdmann in die Kamera,. Und ich muß gestehen, daß diese freiwillige Eremitin und einst von einer Ballettänzerinnen-Karriere à la Anna Pawlowna träumende ehemalige Artistin, Trümmerfrau, Köchin, Traktoristin, Bibliothekarin etc. ihre Zuschauer gefangen nimmt. Was da Ausstrahlung und Lockerheit bei ansonstigem Tiefgang von der Leinwand runterkam, wünschte ich mancher Filmgestalt in unseren professionellen Streifen des DEFA-Studios und des Fernsehens. Als Außenseiter sieht sie sich nicht, obwohl sie die Stille des Waldes als Domizil wählt, Tiere füttert, aber auch Briefe schreibt, Lenin (dessen ausgeschnittenes Bild wie selbstverständlich in einer Ecke ihres Spiegel klemmt) zitiert, damit auch in ihrer Waldhütte Licht werde. So ganz nebenbei verstrickt sie den Zuschauer in philosophische Betrachtungsweisen und hält ihm gleich noch eine Lektion in Sachen Macht und Machtmißbrauch und findet, daß in der Regierung zu wenig Frauen vertreten sind. Sie ist dabei, einen Roman zu schreiben, absolviert gerade ein Esperanto-Fernstudium, schwärmt von Jugendlichen, weil die so herrlich unverkrampft sind, bemerkt verschmitzt, daß sie wohl zu temperamentvoll sei, sich manchmal nicht genug unter Kontrolle habe, träumt davon, einmal nach Moskau zu fahren, dort in Theater zu gehen ... Das alles und mehr sprudelt sie herzerfrischend und -bewegend heraus und man ist in jeder der 24 Minuten bereit, ihr zuzuhören, ihr Leben abzulauschen. "Jeder Mensch macht Politik", sagt diese Frau, die allein im Wald lebt und doch keineswegs weltfremd ist.
Täglich mit den Füßen auf märkischem Sand
Hauptprüfungsfilm - Regie Jens Hercher, Buch Hans Hattop, Kamera Ulrich Wrede, Produktion Astrid von Gliszczynski, Schnitt Ines Blum, Dramaturgie Egbert Lipowski
Von drallen und lebensprallen Bäuerinnen erzählt der Film, eingebettet in den ganz eigenartigen Rhythmus märkischer Landschaft. Die Kamera schwelgt, ohne zu idyllisieren. der Kommentar ist genauso erfrischend wie diese selbstbewußten Frauen, zwischen fünfzig und sechzig, denen es nicht gleichgültig ist wer einmal ihre wichtige Arbeit fortsetzen wird. da wird schwer gearbeitet, gelacht, gescherzt, geschwoft, man tanzt gemeinsam und mit viel Temperament Polonaise und zieht gemächlich im Gänsemarsch (herrlicher Schnitt!) zu den Spargelbeeten. Auf der Fahrt zum nächsten Feld wird über einen Fernsehfilm gewitzelt, auch drastische Bemerkungen fallen. Man spricht über die Urlaubsreisen, durch die LPG-Zugehörigkeit möglich, trotzdem: hinterher hat man nur viel schmutzige Wäsche. Lohnt sich das? Und zu Haus sei es doch so schön. Man singt gemeinsam: "Dich, mein stilles Tal", sortiert dabei Kartoffeln, und alles hat so unheimlich viel Würde, selbstverständliche Größe. Ist in der Praxis das, was wir so oft als Lebensfreude und sozialistisches Lebensgefühl nur benennen. Der Film demonstriert im besten Sinne Autorenhaltung, bezeugt Achtung und Liebe der Filmemacher für diese Frauen vor der Kamera. Es gab reichlich Beifall auf offener Szene - oft schon für schlichte Offenheit im Wort, das Bekenntnis zu einfachen, starken Gefühlen. Die Bäuerinnen, hätten sie's erlebt, sicher wären sie verwundert gewesen über die Begeisterung des Publikums. Haben wir uns schon so sehr an den Wortschwall unseres Alltags gewöhnt?
Ich würde es leben
Hauptprüfungsfilm - Regie Katrin Jäniche, Kamera Bernd Schadewald, Produktion Birgit Bruns, Schnitt Ute Kraatz, Dramaturgie Roland Neumann
Dieser Film löste bei mir zwiespältige Gefühle aus. Es geht um den zwanzigjährigen körperbehinderten Kay. Zu vieles wird nur behauptet, bildlich aber wenig belegt. Manches wirkt penetrant, aufgesetzt - wie etwa die Beziehung zu seiner Freundin. Kay bekommt wenig Chance, zu überzeugen mit dem was er am Schluß so gelassen vor Besuchern eines Klubabends zitiert und worauf sich der Filmtitel bezieht. Was an dem Film bewegt, ist lediglich die Tragik so eines Behinderten-Schicksals, weniger die Bewältigung dessen, was so ein Leben ausmacht.
Mit den Augen Xolotlans
2. Studienjahr - Buch und Regie Kerstin Hesse, Kamera Ulrich Wrede, Produktion Angela Gerken, Schnitt Ingrid Landmesser, Dramaturgie Fritz Martin Barber
Xolotlan, so wird ein Vorort der Hauptstadt Nikaraguas genannt. Dort nun errichtete die DDR ein Krankenhaus, ein Solidaritätsgeschenk. Der Versuch, tätige DDR-Solidarität zu demonstrieren und gleichzeitig einen Report über Land und Leute zu geben, wird in einem schlechten Aktuelle-Kamera-Stil präsentiert. 37 Minuten - sie sind endlos lang und langweilig. Es wird viel geredet, man erfährt kaum Neues, auch die Kamera hat dem nichts entgegenzusetzen. Berater wären hier vonnöten gewesen, und eine klare Konzeption.
*Erfreulich die kleinen Filmexperimente in vier bzw. drei Minuten - "Feierabend" (2. Studienjahr, Fachschulbereich - Regie und Kamera Olaf Ullmann, Schnitt Sylvia Maiwald) sowie "Spiegelungen" (2. Studienjahr, Fachschulbereich, Kameraübung - Kamera Frank Reinhold). Sie sind als Versuche zu werten, gesellschaftliche Beziehungen darzustellen, mit Bildimpressionen nach der Arbeit bzw. Reflexionen von Menschen und ihre Umgebung. Insgesamt diskussionswürdige und streitbare Arbeiten des Nachwuchses der DDR-Filmemacher. Allein das ist schon eine erfreuliche Tatsache.
(Zimmerling, Ingeborg: Spuren hinterlassen : über Filme der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR "Konrad Wolf". In: Filmspiegel, Berlin, 3/1987)
Alfred
Diplomfilm 35mm s/w ; c 39:01 min PJ: 1987
DB/RE/SZ: Andreas Voigt - DR: Angelika Mieth - KA: Sebastian Richter -
PL: Katrin Schlösser - SC: Karin Geiß - TO: Karl-Heinz Sass
Begonnene Gespräche
Übung 35mm c 68:22 min PJ: 1987
Studentenkollektiv
Ich bin einfach der leidenschaftlichste Mensch, der existiert
Diplomfilm 35mm s/w ; c 25:44 min PJ: 1987
DB/RE/SZ: Andreas Schmidt - DR: Fritz-Martin Barber -
DB/KA: Dieter Schill - SB: Werner Haupt - KO: Barbara Glöckner -
MA: Anne-Klaer Meyer - RE-AS: Dror Zahavi - KA-AS: Thomas Falk ;
Ulrich Wrede - SC: Gerda von Dorszewski - TO: Gabriele Boldt -
PL: Myriam Ulbrich - AL: Doreen Kiesendahl
In flagranti
Übung 16mm c 20 min PJ: 1986
RE: Bernd Sahling - KA: Olaf Skrzipczyk
Zwischen Beute und Pflocken ... der Voigt von Dyrotz
Diplomfilm 35mm c 26:28 min PJ: 1987
RE/KA: Ralf Lampe - SZ/DR: Hans-Joachim Wallstein - PL: Peter Gärtner -
SC: Gerda von Dorszewski ; Christel Münch - TO: Karl-Heinz Sass
... In einem Programm stellen außerdem Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Video-Übungen zur Diskussion.
(In: ADN/BZ: Fester Platz im Programm : die dritte Leipziger Videowerkstatt. Berliner Zeitung v. 26. 11. 1987)
... allein das Programm der Babelsberger Filmhochschule, das traditionsgemäß ein Höhepunkt der Leipziger Filmwoche ist, war auch dieses Jahr Anziehungspunkt für ein begeistertes Publikum. Und es wird seit vielen Jahren hier sehr angeregt diskutiert. Die Filmstudenten gingen in der Diskussion zur Sache und zogen die Filme aus der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern zum Vergleich heran, um Kritik an der Unentschlossenheit des DDR-Films zu äußern.
(In: Blum, Heiko R.: Suche nach einer anderen Wahrheit : Beobachtungen bei der dreißigsten Dokumentar- und Kurzfilmwoche in Leipzig. Stuttgarter Zeitung v. 29. 11.1987)
... Sonntagvormittag präsentierte die Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen der DDR "Konrad Wolf" einige interessante Werkstattarbeiten verschiedener Studienjahre, die von neuen Möglichkeiten und Fertigkeiten ihrer jungen Schöpfer zeugten...
(In: Kober, Frank: Filmkunst als Waffe : 30. Internationale Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche. Märkische Volksstimme, Potsdam, v. 23. 11. 1987)
... Neues, was man sonst bei den DDR Dokumentaristen noch vermißte, ließ wenigstens die im traditionellen Sonderprogramm der Babelsberger Filmhochschule gezeigte Diplomarbeit eines Studenten erkennen. In seinem Film"Alfred" zeichnet Andreas Voigt das Porträt eines vor knapp zwei Jahren verstorbenen Leipziger Alt-Kommunisten, und in dieser Biographie eines ungewöhnlichen Mannes wird auch nicht verschwiegen, daß Alfred Florstedt in den zwanziger und fünfziger Jahren in Widerspruch zur Parteilinie geriet, was seinen zeitweisen Ausschluß zur Folge hatte: ein Stück undogmatischer Geschichtsaufarbeitung.
(In: Kersten, Heinz: ... Der Tagesspiegel, Berlin (West), v. 6. 12. 1987) ?????
Aber wenn man so leben will wie ich
Übung 16mm c 20:50 min PJ: 1988
RE: Bernd Sahling ; Anne Nestler - KA: Le Dang Quan - PR: Peter Hartwig
Alexander Penn : Ich will sein in allem
Diplomfilm 35mm c 49 min PJ: 1987
DB/RE/SZ: Dror Zahavi - RE-AS: Andreas Schmidt ; Volker Wende -
KA: Matthias Tschiedel - KA-AS: Dietrich Fabienke ; Michael Schaufert ;
David Zaritz - SB: Günther Petzold - KO: Ulrike Stelzig - MA: Willi Gesche -
PL: Michael Heinicke - AL: Peter Hartwig - SC: Karin Geiß
...damit die Hoffnung am spätestens stirbt
Hauptprüfungsfilm 16mm c 35:05 min PJ: 1988
RE: Carlos M. Faria Vicente - SZ: Hans Hattop - SZ/DB: Klaus Rümmler -
KA: Frank Hillmer - KA-AS: Frank Penzold - PL: René Biermann ;
Martin Zaradicka - SC: Gerda von Dorszewski - TO: Karl-Heinz Sass
Freundinnen
Übung 16mm c 19:00 min PJ: 1988
RE: Milena Hadatty ; Thomas Metzkow ; Firas Al-Dehni -
KA: Eyobel Zarefa ; Andreas Höfer - PR: Ingo Preuß
Oh, Susanna, wie ist das Leben ...
Übung 16mm c 16 min PJ: 1988
RE: Thomas Metzkow - DR: Katrin Mandel - KA: Tien Tran Dung -
PR: Harry Seedorf - SC: Cristel Münch - TO: Doan Dinh Trung
..."Aber wenn man so leben will wie ich", der Hochschulfilm von Bernd Sahling, lief in der Sonderveranstaltung des Verbandes. Dokument des Lebensgefühls eines Außenseiters? Oder das eines ernstzunehmenden Symptoms? Michael ist achtzehn. Konsequenter Punk mit Freundin Kathi, Baby Marie-Luise und Ausreiseantrag. Wegen asozialen Verhaltens war er im Gefängnis. "Es steckt in mir drin, ich kann keine Verantwortung tragen", insistiert er, "ick kann nichts, kann nich malen, nich dichten, kann bloß'n bißchen Baß spielen, so daß et grade reicht, um in so 'ner Punkerband mitzuspielen." Das hat Traurigkeit und bodenlosen Anspruch. Die Filmemacher interviewten auch Michaels Mutter. Sie hat keinen Einfluß mehr auf ihren Sohn, der anders leben will als sie, leben will als Individualist, ohne Regeln, ohne Zwänge, ohne Pflichten. Diffuses Verlangen nach Freiheit, Bindungslosigkeit. Michael ist ein intelligenter Junge mit Kraft in der Seele. Warum geht solche Kraft in solche Richtung? Warum will er so und nicht anders? Offene Fragen, bange Fragen. Vorsicht bei der Ausfahrt des Zuges.
(In: Voigt, Jutta: Vorsicht bei der Ausfahrt des Zuges : die 31. Dokumentar- und Kurzfilmwoche Leipzig. Sonntag, Berlin, v. 18. 12. 1988)
... Konnte man in diesem Film schon einer Gruppe Punks begegnen, die sich nachts auf dem Bahnhof Lichtenberg trifft, so zeichnete Bernd Sahling in seiner Hochschulproduktion des 2. Studienjahres "Aber wenn man so leben will wie ich" das Porträt eines einzelnen Punkers. Da erzählt dieser lebensunsichere Mann mit der Irokesenfrisur auch, daß er einen Ausreiseantrag laufen hat, dem übrigens inzwischen stattgegeben wurde.
An den Arbeiten Babelsberger Filmstudenten war abzulesen, daß auch als Filmnachwuchs eine um Tabus unbekümmerte junge Generation nachwächst.
(In: Kersten, Heinz: Rück-, Aus- und Lichtblicke : starke DDR und schwache Sowjetunion auf dem 31. Leipziger Dokumentarfilmfestival. Frankfurter Rundschau, Frankfurt a.M., v. 13. 12. 1988)
Aufbruch 89 - Dresden
Übung 16mm c 61:30 min PJ: 1989
Gestaltung (Kollektiv): Thomas Rist ; Katja Hofmann ; Volker Langhoff ;
René Jung ; Sabine Wittig ; Thomas Eichberg - SC: Gerda von Dorszewski
Es lebe die R... (Leipzig im Herbst)
Übung Video c PJ: 1989
RE: Jörn Zielke - KA: Tobias Albrecht ; Jakobine Motz ; Gero Steffen -
PL: Karl-Martin Lötsch - SC: Peter Hartwig
10 Tage im Oktober
Übung 16mm s/w ; c 15:20 min PJ: 1989
RE: Thomas Frick - KA: Olaf Kreiß - PL: Thomas Zickler -
PR: Renate Rümmler ; Holger Lochau - SC: Gudrun Prietz
Alle 3 Filme erhielten die "Goldene Taube" - ehrenhalber - des Komitees!
Blühender Garten im märkischen Sand
Übung 16mm 20 min PJ: 1989
DB/RE: Henry Köhler - DB: Hans-Joachim Wallstein - KA: Frank Penzold -
PR: Andreas Born - SC: Karin Geiß ; Gudrun Prietz
Jaja...neenee...
Übung 16mm 8:23 min PJ: 1989
RE: Tim Dreßler ; Thomas Frick - KA: Peer Horstmann - PR: Thomas Zickler
Jenseits von Klein Wanzleben (AT: Simbabwe)
(lt. FBJ = Zimbabwe - dreams of the future)
Übung 16mm 40:55 min PJ: 1990
DB/RE: Andreas Dresen - DR: Egbert Lipowski - KA: Andreas Höfer -
PL: Robert Nagel - PR: Holger Lochau - SC: Cornelia Endler -
TO: Stoffer Geiling
Makulatur 7/10/89 (= Makulatur)
Video 22 min. PJ: 1990
RE: Kerstin Süske
Tschhinson - Freundschaft
16mm 29:30 min PJ: 1989
RE: Henry Köhler - DR: Egbert Lipowski - KA: Stephan Schmidt ;
Jörg Petzold - PR: Andreas Born - TO: Stoffer Geiling
...Das in jedem Jahr mit Spannung erwartete Sonderprogramm mit neuen Produktionen der Babelsberger Filmhochschule fand am Dienstag großes Interesse der in- und ausländischen Teilnehmer und Gäste der Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche. Thematisch und geografisch sehr unterschiedlich angesiedelt, spiegelten die vier Arbeiten auf kurzweilig und pointierte Weise allesamt ein Stück DDR-Wirklichkeit wider. Regiestudent Henry Köhler erinnerte in "Blühender Garten im märkischen Sand" an ein jüdisches Landschulheim in Caputh, dessen Zerstörung nach der Progromnacht 1938 heute von Betroffenen und Augenzeugen rekapituliert wird. Einen persönlichen Blick auf die Ereignisse in Pjöngjang bot sein Weltfestspielfilm "Tschhinson - Freundschaft". "Jaja ... Neenee ..." hieß ein von Thomas Frick ungewöhnlich gestaltetes Arbeitsporträt. Mit ironischem Blick auf DDR-Mentalität skizzierte Andreas Drews (gemeint ist Andreas Dresen - Anm. d. Bearb.) in "Jenseits von Wanzleben" Mitglieder einer FDJ-Freundschaftsbrigade in Simbabwe...
(In: ...: Großes Interesse für neue Hochschulfilme : vom fünften Tag des Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmfestivals. Schweriner Volkszeitung v. 30. 11. 1989)
...Der Festivaldirektor verwies auf eine Fülle von Aktivitäten der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf", die 35 Jahre besteht. In einer Retrospektive im Filmkunsttheater "Casino" werden frühe Arbeiten unter anderem von Christa Mühl, Petra Tschörtner, Konrad Herrmann, Kurt Tetzlaff, Hans Werner und Konrad Weiß zu sehen sein. Der Nachwuchs von heute stellt sich in einem Sonderprogramm mit vier Filmen vor, die über einen Schichtarbeiter im Gaswerk und junge Bauarbeiter aus Afrika berichten sowie an Ereignisse der Progromnacht 1938 sowie an die 13. Weltfestspiele erinnern...
(In: ADN: Über 80 Filme für Leipzig nominiert. Freiheit, Halle, v. 16. 11. 1989)
... Waren es Filme oder eher die spontanen Aktionen, die der Leipziger ... die unvergeßlichen und mit dem Jahrgang 1989 verbundenen Erinnerungen brachten? Ich glaube, es waren die Demos und die Unterschriften-Aktionen, die den Teilnehmern bewußt werden ließen, daß das Festival in der DDR stattfand. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Aufrufes "Für unser Land" wurden im Capitol Listen ausgelegt, in denen jeder sein Bekenntnis ablegen konnte. HFF-Studenten veranstalteten eine Demo unter dem Motto "Wir lassen uns nicht BeeRDigen", um damit gegen das Wiedervereinigungsgefasel in jüngster Zeit zu protestieren. ... Die Hochschule für Film und Fernsehen hatte lobenswerte Filme in Leipzig, die alle vor der Herbstrevolution entstanden und leider nicht im Wettbewerb liefen. "Jenseits von Klein Wanzleben" (Regie: Andreas Dresen) zeigt eine DDR-Brigade in Simbabwe, die junge Afrikaner ausbildet. Mitten im Busch leben "unsere Menschen" mit Schrankwand und Couchgarnitur, die der FDJ-Zentralrat in Großcontainern schickte. Gemütlich soll es sein. Ein ironisch-bitterer Film über Mentalitätsprobleme und jahrelange Welt-Abstinenz. Meine Sympathie galt den Simbabwern, die sicher nicht nur für mich die moralisch Unterlegenen waren...
(In: Kern, Ingolf: Listensammlungen im Festivalkino : 32. Internationale Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche ging zu Ende. Tribüne, Berlin, v. 1. 12. 89)
...Nur zum Teil wurden hochgesteckte Erwartungen erfüllt, denn für das Festival kam der Aufbruch in gewisser Weise auch zu spät. Filme, die vor der Wende noch ein Sensatiönchen gewesen wären, schienen nun in ihrer Aussage längst überholt. Ein wichtiges Dokument werden sie etwas später dennoch sein. Das trifft auch auf die brandaktuellen Filme der Babelsberger Filmhochschule zu, die wenige Tage vor Festivalbeginn fertig wurden, begonnen teils ohne Dreherlaubnis. "Leipzig im Herbst - ein Material", die Studie "10 Tage im Oktober", "Es lebe die R..." über die Ereignisse in der Berliner Gethsemanekirche, "Makulatur 7/10/89", ein Film, der der Parallelität des Fackelzuges der FDJ und der Geschehnisse in der Schönhauser Allee am 7. Oktober nachspürt und schließlich "Aufbruch 89' Dresden". Gründliche Recherche und der künstlerische Verarbeitungsgrad letzteren Films in der Hektik der Zeit verlangen mir Hochachtung für die fünf jungen Kamerastudenten ab. Für Unbeteiligte ist er vielleicht ein wenig zu lang und ungewiß, ob sie den Grund für häufig religiöse Symbolik und Musik erkennen. Er schmälert die Leistung nicht, die manch langwierig gebastelter Streifen nicht erreichte...
(In: Krümmel, Heike: Geschichten über den Wind : Reflexionen vom 32. Dokumentar- und Kurzfilmfestival in Leipzig. Die Union; Dresden, v. 7. 12. 1989)
... Mit an der Spitze der filmischen Perestroika gehen die Studenten aus Babelsberg. Eines ihrer jüngsten Zeugnisse der stürmischen Gegenwart: "Makulatur 7/10/89". Eine Videoproduktion, die offiziellen Vor-Wende-Weihrauch mit Motiven konfrontiert, die eine ganz und gar gegensätzliche Stimmung vermitteln. Der Aufmarsch der Pechfackeln und das Gesicht einer jungen Frau, die in der Gethsemanekirche fastet - ein Akt gegen Willkür und Unrecht. Auf den Plakaten lachende Menschen und Fahnenheere im Wind; in der Realität ein durch regenverhangenen Himmel und massives Polizeiaufgebot belastetes "Volksfest". Dazu einige grotesk anmutende Szenen doktrinärer Kindergartenerziehung. Fünfjährige sollen während eines Appells einem imaginären Heimatgefühl Ausdruck verleihen, das ihren Erfahrungshorizont weit übersteigt. Der neue Bildungsminister muß mit dem Aufräumen wohl viel tiefer beginnen als in der Unterstufe. Die Atmosphäre vieler dieser eilig montierten Filme ist von Elementen geprägt, die sich eigentlich widersprechen: einerseits wird die Freude deutlich, endlich in aller Öffentlichkeit ehrlich sein zu können, andererseits spüre ich starke Verunsicherung. Wie sollte es auch anders sein? Das Paradies schickt seine Kinder in den Sturm, die Zeit der Unschuld ist unwiderruflich vorbei. - Wo aber findet man nun Halt? In der Versenkung ins eigene Ich? Im Glauben? Sollten die religiösen Gesänge, mit denen zwei andere Studentenfilme - "Aufbruch 89 - Dresden" und "10 Tage im Oktober" - enden, nur damit zu tun haben, daß der Widerstand gegen Verkrustung und Lüge sich maßgeblich in Kirchen regte? ...
(In: Schenk, Ralf: Die bittere Wahrheit. - Weltbühne, Berlin v. 12. 12. 1989)
Aquarium
Übung 16mm c 20 min PJ: 1990
DB/RE: Jana-Christina Schöning - DR: Tim Dreßler - KA: René Jung -
PL: Karl-Martin Lötsch - SC: Dagmar Pohl - TO: Karl-Heinz Sass ;
Jörg Hauschild
Deutschland ist so groß und schön
Hauptprüfungsfilm 16mm c 49 min PJ: 1990
DB/RE: Jana Püchner - DR: Angelika Mieth - SZ: Jörg Köhler -
KA: Jörg Petzold - PL: Alexander Buchs - SC: Cornelia Endler -
TO: Michael Bartsch ; Frank Lietz - TR: Horst Schischkoff -
PR: Ursula Sass
Was bleibt
Übung 16mm c 33 min PJ: 1990
DB/RE: André Nitschke - KA: Jakobine Motz ; Michael Doering ;
Gero Steffen - PL: Thomas Kasper - SC: Jaqueline Kulkies -
TO: Karl-Heinz Sass ; Oliver Grafe
...Die Programme der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" gehörten zu den Höhepunkten des Festivals. In diesem Jahr können sich die Babelsberger Studenten dem Direktvergleich mit den Kommilitonen in München und Berlin stellen. Für jede der drei Schulen wurde ein Vormittag im "Casino" reserviert...
(In: ...: Viel Deutsch-Deutsches auch im Rahmenprogramm : Videowerkstatt und Studentenfilme in Leipzig. Sächsische Zeitung, Dresden, v. 28.11. 1990)
...Die Filme von der bisher einzigen Hochschule für Film und Fernsehen des Gastgeberlandes besaßen immer eine gewisse Sonderstellung im Festivalprogramm. Für viele Zuschauer waren sie eine Extra-Oase im Angebot, weil bei den Babelsberger Studenten mehr Mut (oder günstigere Möglichkeiten) vorhanden waren, Tabuthemen aufzugreifen und auch ins Programm zu bekommen. Höhepunkte dieser Bemühungen schließlich waren die Babelsberger Filme im vorigen Jahr mit brandaktuellen Bildern des heißen Herbstes. Dafür bekam die HFF "Konrad Wolf" von der Jury einen Sonderpreis verliehen.Nun fällt dieser Bonus weg, und mit der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und der Hochschule für Film und Fernsehen München (gemeint ist die Hochschule für Fernsehen und Film, München - Anm. d. Bearb.) stellten sich zwei weitere deutsche Ausbildungsstätten vor. Von Konkurrenz sollte nicht gesprochen werden. Die Hochschulen können sich vielmehr gegenseitig befruchten, "wenn", wie ein Kamerastudent aus Babelsberg meinte, "das eigene Profil und die eigene Ästhetik einer jeden Hochschule erhalten bleiben". Dabei dürfte Babelsberg die meisten Schwierigkeiten haben... So gelang es Andre Nitschke aus Babelsberg mit seinem "Was bleibt?" ein emotional eindrucksvolles Bild eines an Leukämie gestorbenen 17jährigen zu schaffen, ohne ein Foto von ihm zu verwenden...
(In: Mett, Werner: Die Oase wird größer : Filmhochschule Babelsberg verlor Sonderstellung. Leipziger Volkszeitung v. 29. 11. 1990)
...Studentenfilme ...Egal auf welcher Schule die jungen Filmschöpfer das Dreh-Einmaleins erlernen, eigen ist ihnen allen das Bemühen um eine originelle, ideenreiche Annäherung an ihren Gegenstand. Normal, daß manch Gutgemeintes da auch danebengeht, wie André Nitschkes (Potsdam) "Was bleibt". Wohl im Ringen um emotional geladene Bilder bewegte sich der Dokumentarist ungelenk in seinem Sujet, dem Sterben eines jungen Leukämiekranken. Die Intimssphäre von Mutter oder Oberärztin etwa wurde durch eine unsensible Gesprächsführung verletzt... Dem Sportwunder DDR ging Jana Schöning (Potsdam) auf den Beckengrund. Eine vom Medaillenglanz unverklärte Sicht in ein einstiges Schwimmerzentrum der Armee, das durch sein erbarmungsloses Leistungsprinzip auch seelische Verkrüppelung bei den Athleten nährte. Ein eigentlich untergegangenes Stück Ellenbogenrealität der DDR, das nun mehr gesamtgesellschaftlich fortlebt. An Stoff sollte es da der neuen Filmergeneration künftig nicht mangeln...
(In: Römer, René: Gegen den Kompromiß : Eindrücke und Notizen zum Abschluß der 33. Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche. Junge Welt, Berlin, v. 30. 11. 1990)