Abschrift aus: Film-Kurier vom 2. 3. 1921
Misugraph-Film Co.
Die Misugraph-Film Co., New York / Berlin, sieht sich durch einen in einer hiesigen Fachzeitschrift erschienenen Artikel veranlaßt, uns um die Veröffentlichung folgender Angaben über ihre Gründung und Pläne zu ersuchen:
Unser Unternehmen, das von allem Anfang an auf der Teilnahme amerikanischer Kreise aufgebaut war, konnte niemals als kleinere Berliner Firma angesprochen werden. Die oft erwähnte Frankfurter Gründung steht nicht in Vorbereitung, sondern ist längst Tatsache geworden und bildet nur einen Teilkomplex unserer noch anwachsenden Organisation. Unser künstlerischer Leiter, Herr Misu, war die letzten Jahre in Amerika tätig und hatte internationale Erfolge schon zu einer Zeit eingeheimst ("Mirakel"-Film - wahrscheinlich ist "Das Marienwunder" gemeint - , "Titanic-Katastrophe"), als die deutsche Filmindustrie noch kaum flügge war. Zweiflern betreffs geschäftlicher Leistungsfähigkeit scheint die Persönlichkeit unseres kaufmännischen Leiter, Herrn Giesen, unbekannt zu sein. Die sparsame und fachliche Art gerade unserer Betriebsführung (u.a. Abschaffung des Direktoren/Systems) hat alle Chancen für sich. Im übrigen überlassen wir die letzte Beweisführung getrost unserer demnächst einsetzenden Produktion.
Abschrift aus: Film-Kurier vom 8. 3. 1921
Misugraph Film Co, New York / Berlin
Am 2. d. M. veröffentlichten wir auf Ersuchen der Misugraph-Film-Co. Eine Zuschrift derselben über die Bedeutung dieser Gesellschaft. Eine Anzahl Angestellter der Gesellschaft, die sich von der Gesellschaft geschädigt erachtet, teilt uns zur Beurteilung der Sachlage folgende Tatsachen mit, die dazu bestimmt sind, die von der Gesellschaft verbreiteten Gerüchte auf ihren wahren Wert zu beschränken:
1. Zur Wahrung ihrer geschädigten Interessen ist ein "Schutzverband der von der Misugraph Film Co. Geschädigten" in Gründung begriffen, deren Syndikus, Herr Rechtsanwalt Dr. Freudenstein, Französische Str. 52, ist.
2. Das von Herrn Direktor Misu selbst verbreitete Gerücht, er sei früher künstlerischer und technischer Direktor der Famous Players Lasky Co., New York, gewesen, entspricht nach Rücksprache mit den in Berlin weilenden Herren der letztgenannten Gesellschaft, Eugen Zukor und Nachmann, nicht den Tatsachen. Herrn Zukor ist Misu überhaupt nicht bekannt, während Herr Nachmann ihn lediglich als Einkäufer der Firma kennt. Von Inszenierungen, die er geleitet haben will, sei ihnen nichts bekannt.
3. Was die Betriebsführung anbelangt, so wird der oben erwähnte Schutzverband, der Material von fast allen Angestellten, Künstlern und auch Lieferanten, die mit der Firma in Berührung gekommen sind, in reichem Maße besitzt, die erforderliche Antwort zu erteilen haben.
4. Die Zurückweisung der Bezeichnung als "kleinere Berliner Firma" angesehen zu werden, ist nicht stichhaltig, auch wenn etwa amerikanische Kreise beteiligt sein sollten, da die Firma in 1 1/4 Jahren ihres Bestehens noch keinen einzigen Meter Film gedreht hat. Auch ist der Personalbestand (Büro, Regie, Künstler, Handwerker) so minimal gewesen, das diese Bezeichnung voll berechtigt ist.